Am Ball bleiben News 26.09.2009

[26.09.2009]
Lindow entschuldigt sich für Schlägerei mit Jugendfußballern von Türkiyemspor Berlin

Nachdem Ende August Jugendliche der Stadt Lindow (Brandenburg) und Jugendfußballer von Türkiyemsport Berlin in einem Lindower Supermarkt zwei Abende in Folge aneinander geraten waren, haben beide Seiten Konsequenzen gezogen. Die Stadt Lindow entschuldigte sich mit einem offiziellen Schreiben für das Auftreten der Jugendlichen, Türkiyempor lud die Lindower zu einem Fußballspiel ein und trennte sich von mehreren Nachwuchskickern.

Der Vereinsvorstand des Berliner Fußballvereins und der Bürgermeister der Stadt Lindow, Wolfgang Schwericke, der selbst Zeuge des ersten Streits war, trafen sich in der vergangenen Woche zu einem Gespräch, vor diesem Türkiyemspor-Präsident Celal Bingöl bereits forderte, „die Sache so langsam zu den Akten zu legen“.

Unklar ist immer noch, was an beiden Abenden in Lindow passiert ist. Ein 21-Jähriger hatte „Sieg Heil“ gerufen und den Hitlergruß gezeigt, bei der Schlägerei mit Schlagstöcken gab es in beiden Gruppen Leichtverletzte. Nachdem anfänglich von einer fremdenfeindlichen Attacke die Rede war, stellte sich später heraus, dass sich beide Seiten gegenseitig aufgestachelt hatten. Dass Türkiyemspor sich von einigen Fußballern trennte, erklärt der Verein damit, dass sie die Situation angeheizt und eine Konfrontation vor ihren Betreuern verschwiegen hätten. Schon am ersten Abend sollen die türkischen Fußballer nach der Konfrontation mit den Jugendlichen Passanten als „deutsche Nutten“ und „deutsche Schweine“ bezeichnet haben. Unklar ist immer noch, ob die beiden Gruppen am darauffolgenden Abend zufällig oder geplant erneut aufeinandergetroffen sind.

Mit einem Entschuldigungs-Schreiben an Türkiyemspor will die Stadt Lindow die Sache jetzt zu den Akten legen. Bingöl: „Wir nehmen die Entschuldigung an. Aber wenn Rechtsradikalismus im Spiel war, muss er bestraft werden. Darüber muss nochmals geredet werden.“ Den Lindower Jugendarbeitern gelang es in dem Versöhnungsgespräch, den Verein davon zu überzeugen, dass es sich bei den Jugendliche nicht um überzeugte Rechtsradikale handelte. „Jetzt ist es unser Ziel, den Jugendlichen zu helfen, aufeinander zuzugehen", weist Türkiyemspor-Präsident Celal Bingöl darauf hin, dass der Verein offen für Zusammenkünfte ist. Als Beginn der Versöhnung steht die Einladung zum Heimspiel am 3.Oktober. Der Viertligist spielt dann gegen Hannover 96 II.

Im Lindower Entschuldigungsschreiben erklärt die Stadt:

Wir bedauern die von uns mit verursachten und provozierten gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den Berliner Sportfreunden von Türkiyemspor Berlin in unserer Stadt Lindow.
Wir distanzieren uns von den von uns getätigten fremdenfeindlichen Äußerungen und rechtsextremen Bezeugungen gegenüber den Berliner Sportfreunden.
Wir entschuldigen uns für dieses Verhalten und den damit verbundenen Beleidigungen anderer Menschen, Völker, Nationen und Kulturen.
Wir sind keine politisch rechts eingestellten Jugendlichen oder Neonazis, wir sind keine rechten Schläger und bilden keine rechte gewaltbereite Szene in unserer Stadt Lindow.
Wir haben unser Fehlverhalten und unsere Äußerungen als fremdenfeindlich erkannt und für uns ausgewertet.
Wir erkennen, dass uns unser Verhalten selbst, aber auch unserer Stadt Lindow und unseren Menschen großen  Schaden zufügt.
Wir erkennen, dass man mit Fremdenfeindlichkeit und mit Gewalt keine Probleme und Konflikte löst, sondern neue Provokationen und größere Konflikte auslöst.

Wir arbeiten gemeinsam mit unserer Stadt und unseren Menschen daran, zukünftig entstehende Missverständnisse gewaltfrei und menschenwürdig zu lösen.
Wir wollen Andere künftig nicht mehr arglos beleidigen, sondern als gleichwertig achten.
Wir würden uns freuen, die Berliner Sportfreunde zu treffen.

Als Folge auf die Schlägerei wollen die Lindower Jugendarbeiter in Zukunft verstärkt Anti-Aggressionstraining anbieten – für beide Seiten. Das „Defizit im Menschenbild im Umgang mit Fremden“ soll mit Trainings und Workshops abgebaut werden.

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