Am Ball bleiben News 18.09.2009

[22.09.2009]
Aufklären gegen die NPD: Handreichung zur Schulhof-CD 2009

Eine gerade erschienene Broschüre liefert Argumente gegen die aktuelle NPD-Schulhof-CD „BRD vs. Deutschland“. Über die kostenlose Verteilung der stark ideologisierten rechtsextremen Musik-CD an SchülerInnen versucht die NPD, JungwählerInnen zu gewinnen.

Ziel der 30-seitigen Broschüre ist es, konkrete Argumentationshilfen und Hintergrundinformationen für die Auseinandersetzung mit rechtsextremer Ideologie zu bieten. Der Autor Jan Buschbom vom Violence Prevention Network stellt die Schematik und Funktionsweise rechtsextremer Ideologien dar und eröffnet Argumentationsmöglichkeiten. Der Fokus liegt dabei auf der Präsentation der Hintergründe der an der NPD-CD beteiligten Musiker und einer Analyse der hinter den, auf den ersten Blick, scheinbar harmlosen Texten stehenden rechtsextremen Ideologie. Die Musik der CD transportiert völkische, rassistische und antisemitische Inhalte, wobei die Stücke jedoch gleichzeitig versuchen, an das Lebensgefühl in der Jugendphase und an die Lebenswelt Jugendlicher anzuknüpfen. Die Handreichung soll dazu dienen, dieser rechtsextremen Propaganda in der pädagogischen Arbeit – aber auch darüber hinaus –- angemessen und argumentativ sicher begegnen zu können.

Es ist nicht die erste CD dieser Art, die die NPD veröffentlicht. 2004 erschien im Vorfeld der Landtagswahlen in Sachsen die CD „Wahltag ist Zahltag“. Ein Jahr später legte der Bundesverband der NPD anlässlich der Bundestagswahl mit der CD „Der Schrecken aller linken Spießer und Pauker“ nach, von der 2006 noch einmal eine leicht veränderte Ausgabe für die damaligen Landtagswahlen erschien. Die aktuelle CD wird vom NPD-Landesverband Thüringen herausgegeben und wurde vor allem für die Wahlkämpfe der Partei für die Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen im Sommer 2009 produziert. Darüber hinaus ist es möglich, die CD in etwas verkürzter Form aus dem Internet herunter zu laden. Die Herausgeber des Argumentationsleitfadens gehen davon aus, dass die CD auch im Bundestagswahlkampf in einigen Bundesländern verteilt und vertrieben wird, die größte Verbreitungsform sei jedoch vermutlich der Download aus dem Internet.

Infobox:

Die Broschüre ist ein Kooperationsprojekt der RAA Berlin (als Herausgeber), Violence Prevention Network und Exit Deutschland und steht auf allen drei Websites zum Download zur Verfügung.
Weitere Hinweise und Vorschläge zur Arbeit gegen die rechtsextremen Inhalte auf der CD finden Sie auch unter www.osz-gegen-rechts.de. Insbesondere stehen dort Unterrichtshilfen und die aktuelle Broschüre „Handeln gegen Rechtsextremismus an Berliner Schulen“ zum Download bereit.

Fußball und die NPD

Das Thema rechtsextreme Musik spielt auch im Fußballkontext und in der pädagogischen Arbeit mit Fußballfans eine nicht zu unterschätzende Rolle. Als Unterstützung für die Fanprojekte fanden bereits letztes Jahr von am Ball bleiben und der Koordinationsstelle Fanprojekte gemeinsam organisierte Fortbildungen zu diesem Thema statt. Zudem tritt gerade die NPD im Bereich des organisierten Fußballsports immer wieder durch verschiedene Aktionen in die Öffentlichkeit, das in dieser Hinsicht berüchtigste Beispiel ist der sogenannte WM-Planer, mit dem die Partei zur Weltmeisterschaft 2006 rassistische Propaganda verbreitete. Eine Verurteilung von drei NPD-Funktionären, u.a. Pressesprecher Klaus Beier, wegen Volksverhetzung und Beleidigung erfolgte in diesem Fall im Frühjahr diesen Jahres. Auch im aktuellen Bundestagswahlkampf äußerte sich Klaus Beier, der bei den Bundestagswahlen und den Landtagswahlen in Brandenburg antritt, zum Thema Fußball. In einer Sendung des Rundfunks Berlin-Brandenburg sagte er vor einigen Tagen, der türkischstämmige Nationalspieler Mesut Özil sei „ein Plaste-Deutscher, sprich ein Ausweis-Deutscher“. Der DFB erklärte daraufhin, auch in diesem Fall die Einleitung rechtlicher Schritte zu prüfen. „Wir sind stolz darauf, dass Mesut Özil deutscher Nationalspieler ist“, betonte DFB-Präsident Zwanziger. „Dies ist das Zeichen für das Deutschland, das sich der DFB wünscht: Ein freies, tolerantes und selbstbewusstes Land, in dem kein Platz für nationalistisches Denken und Rassismus ist, wie es die Wirrköpfe der NPD zu verbreiten versuchen.“ Mittlerweile wurde Klaus Beier durch einen Anwalt in Sachsen wegen Volksverhetzung angezeigt.

Copyright © 2007 amballbleiben.orgImpressum