Am Ball bleiben News 10.09.2009

[10.09.2009]
Werbebande für schwul-lesbischen Sport bei Tennis Borussia Berlin

Beim Viertligisten Tennis Borussia Berlin ist Antidiskriminierung nicht nur auf den Bannern und Transparenten der Fanszene immer wieder ein Thema. Seit Kurzem schmückt eine Sponsorenbande von schwul-lesbischen Sportlerinnen und Sportlern aus München das Mommsenstadion.

Der Klub hatte im Sommer auf der Suche nach Sponsoren eine Verlosungsaktion verschiedener Werbeflächen veranstaltet und damit die Aktiven des lesbisch-schwulen Schwimmvereins „Isarhechte“ aus München neugierig gemacht. Als private Initiative bewarben sich die „Isarhechte“ und einige Freunde um eine der 6 m breiten Sponsorenbanden im Stadion des Regionalligisten. Das Motiv für das Engagement war klar: Werbung machen, und zwar für eine tolerante und offene Gesellschaft und gegen Homophobie im Fußball und anderswo. „Trotz erster schwuler Fanklubs“, sagt Schwimmtrainer Jörg Büll, Sprecher der Münchner Initiative, „ist es noch ein weiter Weg, bis Homosexualität in der Männerdomäne Fußball als etwas Normales angesehen wird.“ Deshalb machten die lesbischen und schwulen Sportler einen Schritt auf den Heterofußball zu und boten TeBe Berlin finanzielle Unterstützung an. „Wir hoffen, dass wir eines Tages in Anspielung auf die Regenbogen-Fahne der Schwulenbewegung sagen können: Der Ball ist bunt wie die Gesellschaft, in der wir leben wollen“, so Jörg Büll.

Aktive Fanszene bei Tennis Borussia Berlin

Den Anstoß für die Idee lieferte Bülls eigenes Fußballinteresse, der gebürtige Dortmunder war früher eingefleischter BVB-Fan und unterstützt die „Rainbow-Borussen“, den schwul-lesbischen Fanclub der Borussia, die sich ebenfalls an der Sponsorentafel beteiligten. Allerdings: Auch in der schwul-lesbischen Szene gibt es gewisse Berührungsängste gegenüber dem Fußball und seinen Fans, wie Jörg Büll einräumt. „Die Fußballbegeisterung im homosexuellen Milieu ist zumindest bei Männern eher unterdurchschnittlich. Die Welt des Fußballs mit seinem Männlichkeitswahn und Macho-Gehabe ist da eben nicht unbedingt hilfreich. Aber von der Idee, das Thema Homophobie in den Fußball zu tragen, waren die meisten (auch gerade deswegen) gleich begeistert.“

Mit Tennis Borussia Berlin sponsern die Münchner zudem einen Verein, dessen Fans sich seit Langem aktiv gegen Diskriminierung jeder Art einsetzen. Entsprechend herzlich fiel dann auch die Begrüßung im Stadion aus, als Jörg Büll und sein Freund das erste Heimspiel besuchten. „Wir wurden insbesondere vom Stadionsprecher wärmstens empfangen, haben die Hälfte des Spiels aus der Sprecherkabine verfolgen können, wurden als Besucher in der Halbzeitpause dem Publikum vorgestellt und anschließend noch über unsere Aktion über das Stadionmikrofon interviewt. Und wir bekamen Applaus!“ Einziger Wermutstropfen: Da wegen der Leichtathlektik-WM im August in Berlin das Mommsenstadion noch zweckentfremdet war, fand das Spiel nicht dort statt. Inzwischen aber spielt TeBe wieder im heimischen Stadion und die Werbebande des schwul-lesbischen Sports aus München

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