Am Ball bleiben News 06.07.2009

[06.07.2009]
Germania Storkow gegen Rechts – auch ohne Energie

Am Samstag veranstaltete der brandenburgische Fußballverein FSV Germania Storkow wie geplant sein Fest gegen Rechtsextremismus und für Toleranz. Rund 1000 Besucher kamen – nicht nur um Fußball zu sehen, sondern auch um ein Zeichen gegen rechts zu setzen. Abgesagt hatte hingegen die erste Mannschaft von Energie Cottbus.

Das Motto „Mit Energie für Toleranz“ hatten die Veranstalter beibehalten, schließlich war das Freundschaftsspiel gegen Energie Cottbus anlässlich des Festes schon lange geplant gewesen, die Veranstaltung wurde vom Land Brandenburg im Rahmen des Programms „Tolerantes Brandenburg“ gefördert. Das Motto allerdings hatte auch die örtliche NPD auf den Plan gerufen, die für den 4. Juli eine Demonstration in Storkow ankündigte: „Wer meint, Sportveranstaltungen politisch mißbrauchen zu können, der muß eben damit rechnen, daß Nationaldemokraten dann vor Ort aufklärend wirken werden“, so die Ankündigung der Rechten in einem offenen Brief an den FSV Germania Storkow Anfang Mai. Wäre der Verein jedoch bereit, das Fest unter einem anderen Motto stattfinden zu lassen, werde sich die NPD gesprächsbereit zeigen und auf den Aufmarsch verzichten. Der Verein knickte nicht ein und ließ das Ultimatum der Rechtsextremen verstreichen.

Anders jedoch Bundesligaabsteiger Energie Cottbus: Nachdem klar war, dass die NPD-Demonstration nicht verboten werden würde, sagte der Verein das Freundschaftsspiel ab. Die Gründe, die der Pressesprecher und ein Mitglied des Verwaltungsrates mitteilten, waren vielfältig: Man habe Angst „um die Sicherheit der Spieler“, wolle nicht für andere „die Kastanien aus dem Feuer holen“ und sei um das Image des Vereins besorgt („Wenn dort NPD-Leute mit Energie-Schals herumlaufen, dann heißt es gleich, unsere Fans seien Neonazis“). Ob die Absage dem Image des Vereins besonders zuträglich war, darf bezweifelt werden. Der FC Energie musste sich harsche Kritik gefallen lassen, u.a. von der Links-Partei und den Grünen. Deren Sprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus, Monika Lazar, erklärte, die Absage sei „eine Kapitulation vor der extremen Rechten“.

Keine Zwischenfälle

Schließlich schickte Energie Cottbus einige Nachwuchsspieler nach Storkow, die gemeinsam mit Spielern des SV Babelsberg 03 in einer brandenburgischen Landesauswahl gegen die Storkower antragen. Zuvor gab es ein Spiel des Seniorenteams des Vereins gegen eine DDR-Traditionsmannschaft um Jürgen Sparwasser und Peter Ducke. Zu sicherheitsrelevanten Zwischenfällen kam es bei dem Fest in Storkow nicht. „Die ganzen Bedenken waren vollkommen unbegründet“, betonte FSV-Vorsitzende Johann Kney. „Es war eine gelungene Veranstaltung“, bestätigte auch Ralf Hechel, Geschäftsführer des SV Babelsberg 03. Auch der NPD-Aufmarsch fand wie geplant statt, in einer Gegenveranstaltung, organisiert u.a. von SPD und Links-Partei, wurde symbolisch der „rechte Dreck“ aus der Stadt gekehrt. Lob gab es dann doch noch für Energie Cottbus: Bei der Kundgebung bedankte sich die NPD dafür, dass der Verein sich nicht habe „politisch instrumentalisieren“ lassen.

Presseberichte vom Wochenende in Storkow:

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