Am Ball bleiben News 27.04.2009

[27.04.2009]
Bewährungsstrafen gegen NPD-Funktionäre im Prozess um WM-Planer

Vergangenen Freitag fiel vor dem Berliner Landgericht das Urteil im Prozess gegen drei Funktionäre der NPD. Die Angeklagten wurden wegen gemeinschaftlicher Beleidigung und Volksverhetzung zu sieben bzw. zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

In dem Verfahren gegen NPD-Chef Udo Voigt, den Bundespressesprecher Klaus Beier und Justiziar und NPD-Vize Frank Schwerdt ging es um den sogenannten „WM-Planer“, den die NPD zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 herausgab und in dem ein Trikot mit der Nummer 25 zusammen mit dem Schriftzug „Weiß – Nicht nur eine Trikot-Farbe – Für eine echte Nationalmannschaft“ abgebildet war. Das Trikot mit dieser Nummer war zu diesem Zeitpunkt dem deutschen Nationalspieler Patrick Owomoyela, dessen Mutter aus Nigeria stammt, zugeordnet.

Der WM-Planer der NPD knüpfte an eine Kampagne gegen Gerald Asamoah an, die zuvor von anderen Neonazis betrieben worden war. Der „Schutzbund Deutschland“ veröffentlichte ein Plakat mit einer Abbildung von Asamoah und der Aufschrift „Nein Gerald, Du bist nicht Deutschland – Du bist BRD!“ Nach der Androhung juristischer Konsequenzen wurde das Foto Asamoahs durch Karikaturen von ihm ersetzt. Gegen den NPD-Planer erwirkte der damals bei Werder Bremen spielende Owomoyela im April 2006 eine einstweilige Verfügung, die Polizei beschlagnahmte 70.000 Exemplare. Gemeinsam mit dem DFB stellte Owomoyela zudem Strafanzeige.

Rassistische Darstellung eindeutig erkennbar

Vor Gericht argumentierte der Verteidiger der NPD-Funktionäre, Owomoyela sei mit der Abbildung des Trikots nicht gemeint gewesen, abgebildet sei vielmehr ein Spieler mit „weiß pigmentierter Haut“. Zudem habe man sich kritisch mit den wirtschaftlichen Zuständen und der zunehmenden Internationalisierung im Fußball auseinandersetzen wollen. Eine Argumentation, der die Richterin nicht folgte, sondern aufgrund der erkennbar rassistischen Darstellung den Tatbestand der Beleidigung und Volksverhetzung gegeben sah: Die bislang nicht vorbestraften Angeklagten Udo Voigt und Klaus Beier wurden zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, der einschlägig vorbestrafte Frank Schwerdt zu zehn Monaten auf Bewährung. Außerdem soll jeder der drei 2.000 Euro an Unicef zahlen.

Patrick Owomoyela, der vor Gericht als Zeuge ausgesagt hatte, und der DFB waren als Nebenkläger aufgetreten, ihr Anwalt erklärte sich mit der Urteil zufrieden, da nicht nur Geld- sondern auch Haftstrafen verhängt worden waren, wenn auch weniger hohe als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Auch bei einer möglichen Revisionsverhandlung – die Angeklagten kündigten an, in Berufung gehen zu wollen – werde man als Nebenkläger auftreten.

Copyright © 2007 amballbleiben.orgImpressum