Am Ball bleiben News 06.04.2009

[06.04.2009]
Dokumentarfilm „Einsteigerinnen“ läuft beim Fußballfestival „11mm“

Im Rahmen des Fußball-Filmfestivals „11mm“, das am vergangenen Wochenende in Berlin stattgefunden hat, wurde der Dokumentarfilm „Einsteigerinnen – ein Jahr für Werder Bremen“ gezeigt. Der 90-minütige Film hat fünf junge Fußballerinnen in ihrem ersten Jahr bei Werder Bremen begleitet. Werder.de hat das Festival zum Anlass genommen, mit Filmemacherin Silke Rudolph zu sprechen.

Herzlichen Glückwunsch, nach Kino-Premiere und DVD-Start steht jetzt mit dem ersten Festival-Auftritt der nächste Höhepunkt ins Haus. Was ist das für ein Gefühl, dass der Film jetzt auch überregional Beachtung findet?
Die Freude über die Einladung nach Berlin war natürlich groß. Das ist eine willkommene Zugabe, die wir genießen werden. Jetzt liegen genau zwei Jahre Arbeit hinter mir. Im März 2007 ging es ja beim ersten Casting-Termin für die neue Frauenmannschaft los.

Der Film hat nach seiner Kino-Premiere fast ausschließlich positive Kritiken bekommen. Wie haben sie das Echo erlebt?
Das stärkste Gefühl bisher war sicher der Moment vor dem mir fast am meisten gegraut hat. Nämlich die Minuten nach der Kino-Premiere. Man stellt sich schon die Frage, ob man vielleicht nach all den Stunden im Schnittstudio nicht doch betriebsblind geworden ist und das Publikum dann doch nicht involviert wird. Aber dann wurde es eben doch ein sehr schöner Augenblick.

Wie waren die Reaktionen der Hauptfiguren? Fast keine hatte einen leichten Stand in diesem ersten Jahr bei Werder Bremen.
Wir hatten noch vor der Premiere einige Gespräche geführt und sie behutsam auf den Film vorbereitet, keine von ihnen hatte jedoch schon im Vorfeld alles gesehen. Hinterher gab es aber viele positive Rückmeldungen. Mir war sehr wichtig, dass sie auch nach der Veröffentlichung des Films zu uns kamen und bestätigt haben, dass sie sich „wiedergefunden“ haben. Aber ein großes Dankeschön gilt da der gesamten Mannschaft, die uns in all den Monaten wirklich ans Herz gewachsen ist. Es gab ja auch einige Spielerinnen, die wir ebenfalls sehr intensiv begleitet haben, die immer wieder Zeit für uns geopfert haben, deren Geschichte aber dann doch der Schere zum Opfer fallen musste. Obwohl uns das sehr schwer fiel.

Zu den „Einsteigerinnen“ gehört auch Kaddy, die lange nur mit einer Augenklappe spielen kann. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen?
So etwas kann man natürlich nicht planen und wir hätten uns sicher auch gefreut, wenn es dazu gar nicht gekommen wäre, weil sie gesund geblieben wäre. Es war eigentlich schon beim Casting klar, dass Katharina Hamann zu den besten Spielerinnen des Teams zählen würde, sie erhielt auch als erste überhaupt die Zusage. Deswegen hatten wir schon zu Beginn viele Einstellungen mit ihr. Als sie dann nach dem zweiten Spieltag plötzlich ins Krankenhaus musste, war es zumindest Dokumentarfilmer-Pflicht nachzufragen, ob wir ihren Weg diskret verfolgen dürfen. Ihre Offenheit und ihr Vertrauen, das wir keineswegs als selbstverständlich angesehen haben, hat uns dann dazu bewogen ihrem Part noch etwas mehr Platz einzuräumen.

Gab es auch kritische Stimmen über den Film?
Ohne zu viel zu verraten, darf man festhalten, dass das Ende heiß diskutiert wurde.

Wieso das denn?
Da hätten sicher einige Zuschauer mehr Jubel erwartet, denn jedem ist im Rückblick ja klar, dass die Mannschaft ihre Ziele erreicht hatte. Der Aufstieg in die Regionalliga gelang. Aber wir haben uns für dieses Ende entschieden, weil wir es genau so empfunden haben. So wie die Mannschaft letztlich aufgestiegen ist, blieb ihr der ganz große gemeinsame Jubel versagt. Viele Spielerinnen hatten den Aufstieg abgehakt und plötzlich waren sie doch dabei. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum diese Aufsteigerinnen sofort eine Liga höher Fuß gefasst haben. Sie wollten von Beginn an zeigen, dass es kein Glück war, dass sie jetzt in der Regionalliga spielen. Das haben sie ja eindrucksvoll geschafft. Wenn ich richtig gesehen habe, dann haben sie sogar gute Chancen den Durchmarsch in die zweite Bundesliga zu packen.

Umso schöner ist es für alle „Einsteigerinnen“ über ihre erste Saison ein solches Zeitdokument bekommen zu haben.
Ich denke, dass es für jeden Fußball-Interessierten, aber auch für jeden, der sich mit den Themen Teamgeist, Teamführung und soziale Kompetenz beschäftigt, also zum Beispiel für Trainer aller Mannschaftssportarten ein ganz seltener Einblick ist. Denn der Film gewährt eine Nähe, die nicht jedem erlaubt wird.

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