Am Ball bleiben News 30.03.2009

[30.03.2009]
Nicht mehr tabu: Fußball und Homosexualität

Weitere Neuigkeiten vom Engagement der Fans und Vereine gegen Homophobie: Am morgigen Dienstag findet im Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern ein Informations- und Diskussionsabend statt, und auch beim FSV Mainz 05 ist Fußball längst alles… auch schwul.


Banner der schwulen-lesbischen Fußballfans „Fußball ist alles – auch schwul“ am Zaun der Mainzer Südtribüne während des Spiels Mainz 05 gegen Hansa Rostock

Anlass der Veranstaltung in Kaiserslautern ist die Unterzeichnung der „Leipziger Erklärung gegen Diskriminierung “ durch den Vorstandsvorsitzenden des FCK Stefan Kuntz. Der Informations- und Diskussionsabends zum Thema „Fußball ist alles…auch schwul! – „Homophobie im Profifußball“ findet am 31. März ab 19 Uhr im Medienzentrum im Fritz-Walter-Stadion, Kaiserslautern statt. Das vermeintliche Tabuthema „Homosexualität und Fußball“ wird näher beleuchtet und mit Fans und Gästen diskutiert. Zudem wird die TV-Dokumentation „Das große Tabu: Homosexualität und Fußball“ von Aljoscha Pause vorgeführt.

Ihre Teilnahme an der Veranstaltung zugesagt haben:

  • Prof. Dr. Nina Degele (Uni Freiburg)
  • Dirk Kummer (Regisseur und Autor)
  • Christian Deker (Queer Football Fanklubs)
  • Matthias Gehring (Vorsitzender Queer Devils Kaiserslautern)
  • sowie ein Vertreter der Stadt Kaiserslautern
  • Interessierte sind herzlich eingeladen, mitzudiskutieren. Der Eintritt ist kostenlos.

Miteinander reden statt übereinander

Eine ähnliche Veranstaltung fand bereits im Februar in Mainz statt. Gemeinsam mit den Supporters Mainz, dem Schwulen-Referat des ASTA der Uni Mainz und der Bar jeder Sicht veranstaltete der Mainz 05 Fanklub „Meenzelmänner“ eine Aktionswoche unter dem Titel „Fair Play. Fußball ist alles – auch schwul“, die sich dem Thema Homosexualität und Fußball widmete. Rund um die Veranstaltung wurden Flyer, auch von den Ultras und dem Mainzer Fanprojekt verteilt. Zum Heimspiel gegen Hansa Rostock schmückte das Banner der schwulen-lesbischen Fußballfans „Fußball ist alles – auch schwul“ den Zaun der Südtribüne, und in der Stadionzeitung von Mainz 05 erschien ein zweiseitiger Bericht über den schwul-lesbischen Fanklub „Meenzelmänner“.


Podiumsdiskussion in der Bar jeder Sicht (von links nach rechts: Ronny Blaschke, Christian Deker, Markus Delnef, Dag Heydecker und Ludwisch von der Ultraszene Mainz)

In der Bar jeder Sicht trafen sich am 26. Februar mehr als hundert, überwiegend heterosexuelle Fans zur Diskussionsrunde mit dem Titel: „Das Versteckspiel – Schwule im Profifußball“. Als Podiumsteilnehmer konnten Ronny Blaschke, Autor des Buches „Versteckspieler“, Christian Deker, Sprecher der schwul-lesbischen Fanklubs, Dag Heydecker, Marketingleiter 1. FSV Mainz 05, und Ludwisch von der Ultraszene Mainz gewonnen werden. Es entwickelte sich eine offene und ehrliche Diskussion, in der sich die meisten Teilnehmer einig waren, dass Strafen und Sanktionen nicht den gewünschten Erfolg bringen würden. Ronny Blaschke betonte, dass ein tolerantes Klima im Stadion geschaffen werden muss, damit Schwule und Lesben offen zu ihrer Identität stehen können. Dies ist, wie Christian Deker betonte, das Anliegen der schwul-lesbischen Fanklubs, die mit ihrer Präsenz das Thema unaufgeregt und durch Begegnungen auf Augenhöhe in die Fankurven tragen wollen. Dag Heydecker von Mainz 05 wies darauf hin, dass Mainz 05 in seiner Stadionordnung Diffamierungen wegen der sexuellen Identität verbiete. Miteinander statt übereinander zu reden ist für die Supporters Mainz und Ludwisch von den Ultras Mainz ein wichtiger Punkt, damit gegenseitige Vorurteile und Ängste abgebaut werden.

Die anwesenden Vertreter der Ultraszene Mainz boten dem Fanklub Meenzelmänner an, weitere Aktionen gemeinsam durchzuführen – und sie ließen auch beim nächsten Heimspiel gegen Augsburg den Worten Taten folgen: In ihrem Infoflyer „Blockbildung“ riefen sie zur Zivilcourage im Kampf gegen Homophobie auf. Selbstkritisch vermerkten sie, dass Homophobie bei ihnen bis dato nicht großartig thematisiert wurde. Sie wollen in Zukunft dieses Thema verstärkt angehen. Auch ein großes Interview mit den Meenzelmänner wurde in ihrem Blatt abgedruckt.

Für den schwul-lesbischen Fanklub Meenzelmänner war diese Aktionswoche ein unerwarteter Erfolg. „Die tolle Unterstützung der Supporters Mainz,  des Vereins Mainz 05 und unserer Ultras hat uns überrascht“, sagt Fanklub-Präsident Markus Delnef. „Auch die anderen Fanklubs von Mainz 05 unterstützten uns, indem sie zahlreich an der Diskussionsveranstaltung teilnahmen.“ Und auch in der Schwulen- und Lesben-Szene hat die Veranstaltung Begeisterung ausgelöst und Vorurteile und Ängste gegenüber Fußballfans abgebaut – und noch mehr Fußball- und Mainz 05-Fans aus dem Kreis der Schwulen und Lesben gewonnen.

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