Am Ball bleiben News 24.03.2009

[24.03.2009]
Noch ungenutzte Potenziale in der Prävention: Neue Veröffentlichung zu Rassismus und Rechtsextremismus im Fußball

Das Deutsche Jugendinstitut dji veröffentlicht unter dem Titel „Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus im Fußball. Erfahrungen und Perspektiven der Prävention“ einen Sammelband, der sich mit aktuellen Entwicklungen und Tendenzen in diesem Bereich beschäftigt.

Dass der deutsche Nationalsport in Hinblick auf Rassismus und Rechtsextremismus eine höchst ambivalente Rolle spielt, hat sich als Erkenntnis mittlerweile weitgehend durchgesetzt: Einerseits bieten der Fußball und das Stadion mit seiner aufgeheizten Atmosphäre, den Freund-Feind-Mustern und seiner männerbündischen Struktur fremdenfeindlichen und rechtsextremen Tendenzen anscheinend einen besonders ergiebigen Nährboden. Andererseits bieten Profi- und Amateurfußball aufgrund ihrer großen Popularität aber auch spezifische Anknüpfungspunkte, um diesen Phänomenen präventiv zu begegnen.

Diesen Erfordernissen und Möglichkeiten einer im Fußballkontext angesiedelten Rechtsextremismus- und Rassismusprävention geht die neueste Veröffentlichung der Arbeits- und Forschungsstelle Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit nach. Die Herausgeberinnen Michaela Glaser und Gabi Elverich versammeln in ihrem Band Positionen und Erfahrungsberichte von Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Handlungsfeldern der sportbezogenen Präventionsarbeit: Dazu gehören Einblicke in die besonderen Strukturen der Fanszene, ihrer Probleme und ihrer Potenziale im Einsatz gegen Rassismus sowie in die Fanarbeit in Deutschland und Spanien, u. a. durch Michael Gabriel von der KOS und Sabine Behn und Victoria Schwenzer vom Forschungs- und Bildungsinstitut Camino. Gerd Wagner, Projektleiter von am Ball bleiben, beschäftigt sich in seinem Beitrag mit der Rolle des DFB und der Verbände in der Präventionsarbeit. Während Angelika Ribler ihre Tätigkeit im interkulturellen Konfliktmanagement im Jugend- und Amateurfußball schildert, beleuchten Cetin Özaydin und Harald Aumeier von Türkiyemspor Berlin die Ausgrenzungserfahrungen eines migrantischen Vereins im deutschen Mehrheitsfußball.

Mehr Zusammenarbeit zwischen Fußball und Gesellschaft

Die Beiträge zeigen auf, mit welchen Problemlagen und Herausforderungen sich der Fußballsport in Bezug auf Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit konfrontiert sieht und stellen unterschiedliche Gegenstrategien für den Profi- und Amateurbereich vor. Sie dokumentieren Beispiele erfolgreicher Arbeit, zeigen aber auch die Schwierigkeiten dieser Arbeit im Fußballkontext auf und benennen Handlungs- und Entwicklungsbedarf. Und der besteht weiterhin: Abschließend stellt Michaela Glaser die Ergebnisse einer qualitativen Erhebung vor, in der pädagogische Ansätze fußballbezogener Rechtsextremismus- und Rassismusprävention sowie damit gewonnene Erfahrungen erhoben und analysiert wurden. Das Fazit: Der Fußball sollte sich weiter für das Gemeinwesen öffnen und seine Potenziale etwa in Kooperation mit Bildungsträgern und anderen Einrichtungen über den Spieltag hinaus nutzbar machen – ein Vorbild könnte hier die Praxis der englischen Vereine und ihrer Zusammenarbeit mit den Kommunen sein. Anders herum sind auch Akteure der Jugendarbeit und in Schulen gefragt, die Möglichkeiten des Fußball im Engagement gegen Rassismus und Rechtsextremismus aktiv zu nutzen und dort nach Partnern zu suchen.

Michaela Glaser und Gabi Elverich (Hrsg.)

Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus im Fußball

Erfahrungen und Perspektiven der Prävention
DJI 2008
Außenstelle Halle, 156 S.

Aus dem Inhalt:
Michaela Glaser/Gabi Elverich
Einführung: Das Handlungsfeld 'Fußballsport' in der Rechtsextremismus- und Rassismusprävention

Gunter A. Pilz
Rechtsextremismus, Rassismus und Diskriminierung im Fußballumfeld – Herausforderungen für die Prävention

Sabine Behn/Victoria Schwenzer
„Politik gehört nicht ins Stadion?“ Fandiskurse, Selbstregulierungsmechanismen der Fanszene und antirassistische Strategien der sozialen Arbeit im Fußballkontext

Michael Gabriel
Eine Fankurve ohne Nazis und Rassisten – Möglichkeiten und Grenzen der sozialpädagogischen Fan-Projekte

Gerd Dembowski
Zur Rolle von Fußballfans im Engagement gegen Rassismus und Diskriminierung

Thomas Herzog
CEPA – Andalucía: Ein Beispiel zur antirassistischen Arbeit mit Fußballfans in Spanien

Gerd Wagner
Prävention von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit - die Rolle des DFB und der Verbände

Gerd Bücker
Dem Rechtsextremismus keine Chance - Präventionsauftrag für den organisierten Sport

Angelika Ribler
Interkulturelles Konfliktmanagement im Jugend- und Amateurfußball

Cetin Özaydin/Harald Aumeier
Rechtsextremismus und Ausgrenzungserfahrungen aus der Sicht des Vereins Türkiyemspor Berlin e.V.

Michaela Glaser
Zum Stand der pädagogischen Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus im Fußballsport. Ergebnisse einer qualitativen Untersuchung 

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