Am Ball bleiben News 13.02.2009

[13.02.2009]
Vier Veranstaltungen gegen Homophobie im Fußball

Homosexualität und Homophobie im Fußball rücken dieser Tage wieder vermehrt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Maßnahmen, Aktionen und Diskussionen mit Fans und Funktionären stehen im Mittelpunkt von insgesamt vier Veranstaltungen.

Den Auftakt machte vergangene Woche in Frankfurt ein Treffen zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und den schwul-lesbischen Fanclubs (QFF), der European Gay and Lesbian Sport Federation (EGLSF) und dem Come-Together-Cup. Helmut Spahn, der Sicherheitsbeauftragte des DFB, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DFB-Abteilung Prävention und Sicherheit, Tanja Walther-Ahrens (EGLSF), Christian Deker (QFF) und Andreas Stiene (Come-Together-Cup) erarbeiteten dabei zwölf mögliche Maßnahmen und Projekte, darunter die Idee, Vereins- und VerbandsmitarbeiterInnen sowie Stadionsprecher, Fanbeauftragte und Sicherheitsbeauftragte für das Thema Homophobie zu sensibilisieren und zu öffentlich Stellungnahmen dagegen zu ermuntern. Auch in den DFB-Gremien soll das Themenfeld Homophobie stärker eingebunden und angesprochen werden.

Weiterhin sollen Schulungsunterlagen für Trainerinnen und Trainer ergänzt und die Ausstellung „Gegen die Regeln – Schwule und Lesben im Sport“ im DFB-Umfeld (zum Beispiel beim nächsten DFB-Bundestag) gezeigt werden. Fest zugesagt hat der DFB zudem eine Aktion gegen Homophobie im Rahmen eines Länderspiels unter Beteiligung des Fanclubs Nationalmannschaft. Außerdem will der DFB zur FARE-Aktionswoche im Oktober 2009 seine bundesweite Aktion in Zusammenarbeit mit QFF und der EGLSF der Homophobie in den Stadien widmen. Zur Frauen-WM 2011 sind ebenfalls Aktionen angedacht. „Natürlich können diese Projekte nur der Anfang sein”, sagt Christian Deker, Sprecher der schwul-lesbischen Fanclubs. „Aber Homophobie ist auch kein Phänomen, das man von heute auf morgen beseitigt.” Der DFB habe sein Gesprächsangebot mehr als eingelöst, sagt Deker weiter. „Wenn der DFB nur ein Drittel der Projekte tatsächlich verwirklicht, ist das schon beachtlich. Wichtig ist, dass es der DFB nicht bei guten Worten belässt."

Aktivitäten in Barcelona, Wien und Mainz

In Barcelona trafen sich am vergangenen Wochenende Vertreter der European Gay and Lesbian Sport Federation und FARE (Football against Racism in Europe) mit schwullesbischen Fanclubs aus ganz Europa, um zum Beispiel die Frage zu diskutieren, was schwullesbische Fanclubs auf Grundlage des Erreichten in Deutschland auf europäischer Basis umsetzen können. Auch die Rolle von FARE und schwullesbischen Fanclubs bei Welt- und Europameisterschaften stand im Mittelpunkt der Diskussion. Gemeinsam besuchten die Teilnehmer das Stadion Nou Camp, um sich das Spiel zwischen dem FC Barcelona und Sporting Gijon anzusehen. Direkt vor dem Spiel wurde das Emblem des schwullesbischen Fanclubs des FC Barcelona Penya Blaugrana Gais i Lesbianes an den Wänden des Stadions befestigt. Tanja Walther-Ahrens (EGLSF) sagte: „Wenn man das ganze Potenzial des Fußballs ausschöpfen will, muss allen Formen von Diskriminierung entgegengearbeitet werden. Während Rassismus permanent auf der Tagesordnung der Verbände ist, werden Homophobie und Sexismus vernachlässigt. Die Macht und der Einfluss des Fußballs muss mobilisiert werden, um diese Themen stärker in die öffentliche Wahrnehmung zu rücken“. Mit dem Treffen erhoffen sich die Teilnehmer, dass viele Ideen und Sichtweisen zusammengenommen die Unterstützung und das Engagement von EGLSF und FARE gesammelt und sowohl regional als auch national umgesetzt werden können.

Am 19. Februar findet in Wien unter dem Motto „Offen gespielt“ eine Podiumsdiskussion zum Thema Homosexualität im Fußball statt. Ab 19 Uhr diskutieren Ronny Blaschke (Autor des Buches „Versteckspieler“), Tanja Walther-Ahrens und Marco Schreuder (Gemeinderat und Landtagsabgeordneter der Grünen in Wien) in der Hauptbücherei am Gürtel unter der Moderation von Elisabeth Auer (ATV) die Gründe für das immer noch vorherrschende Tabu der Homosexualität im Fußball und fragt, ob vielleicht der Frauenfußball ein Vorbild für einen entspannteren Umgang mit der sexuellen Orientierung der Fußballspieler sein kann. Gleich zwei Veranstaltungen finden in der kommenden Woche in Mainz statt. Unter dem Titel „Fair Play – Fußball ist alles, auch schwul!“ wird zum Auftakt am 17. Februar um 20 Uhr im Hörsaal N3 in der Uni Mainz zunächst die DSF-Dokumentation „Das große Tabu – Homosexualität und Fußball“ gezeigt. Filmautor Aljoscha Pause und Patrik Maas vom schwullesbischen Fanclub „Andersrum rut-wiess“ des 1. FC Köln stehen nach der Vorführung für persönliche Gespräche zur Verfügung.

Am 26. Februar findet ab 19.30 Uhr eine Podiumsdiskussion mit Fans, Funktionären und Fußballexperten in der Bar jeder Sicht statt. Unter dem Titel „Das Versteckspiel – Schwule im Profifußball“ stellen sich Christian Deker (Queer Football Fanclubs), Ronny Blaschke und Vertreter der ULTRAS Mainz den Fragen der Besucher. Moderiert wird die Veranstaltung von Markus Delnef, Mitglied des schwullesbischen Fanclubs „Meenzelmänner“. Beide Abende werden in Kooperation der „Meenzelmänner, den Supporters Mainz, dem Schwulenreferat AstA der Uni Mainz und der Bar jeder Sicht durchgeführt.

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