Am Ball bleiben News 21.01.2009

[21.01.2009]
BAFF mobilisiert gegen Sexismus und Homophobie in den Fußballstadien

Das jährliche Wintertreffen des Bündnisses aktiver Fußballfans (BAFF) fand am 16. und 17. Januar in München statt, organisiert von der Schickeria München. Die BAFF-AG „Antidiskriminierung“ stellte dort die Weichen für zukünftige Aktionen. BAFF ist seit 1994 das bekannteste bundesweite Netzwerk von Fangruppen unterschiedlicher Fußballvereine in Deutschland.

Sexismus und Homophobie sind noch immer die Nummer Eins der Diskriminierungen in Fußballstadien und zugleich die, die unter Fans und Funktionären gleichermaßen am häufigsten toleriert werden. BAFF e. V. lehnt eine solche „Hierarchie der Diskriminierungen“ ab und hat sich, auch angesichts der zumeist symbolpolitischen Bemühungen von DFB und DFL gegen Rassismus, dazu entschlossen, seinen Schwerpunkt auf die Arbeit gegen Sexismus und Homophobie zu richten und alle Fangruppen zur Beteiligung aufzurufen. Hauptpunkt ist die Idee, dass Fangruppen an der bevorstehenden Aktionswoche gegen Diskriminierung des Netzwerks Football Against Racism in Europe (FARE) im Oktober 2009 mit einer Stadionaktion gegen Sexismus teilnehmen. Generell gehört zum Aktivwerden jedoch, in den eigenen Fanszenen wachsam zu sein und bei Sexismus und Homophobie im eigenen Fanumfeld verbal und selbstregulierend einzuschreiten.

Auch hierzu will BAFF demnächst auf seiner Homepage Fangruppen einen ersten Good-Practise-Guide anbieten, der bereits gemachte Aktionen vorstellt, und ebenso frei verwendbare Infoflyer-Vorlagen zur Verfügung stellen. Nach dem Vorbild des BAFF-10-Punkte-Plans gegen Rassismus, der zum Vorbild für die späteren Punkte-Pläne des DFB und der UEFA wurden, soll künftig ein Forderungsplan gegen Sexismus erstellt werden. Ebenso wird der weltweit erste Forderungskatalog gegen Homophobie aktualisiert, den BAFF unter dem Motto „Zeig dem Fußball die Rosa Karte“ 2002 veröffentlichte. Auch weitere Aktionen und Schwerpunktthemen wurden auf dem BAFF-Treffen in München erarbeitet und vorgestellt.

Wanderausstellung „Tatort Stadion. Diskriminierung im Fußball“

Angeregt von der Bremer Gruppe „Racaille Verte“ wird die Vernissage der Neuauflage von „Tatort Stadion“ voraussichtlich im Herbst 2009 in Bremen stattfinden. Nachdem die Ausstellung zwischen 2001 und 2005 in ca. 100 Orten gezeigt wurde und noch immer zahlreiche Anfragen vorliegen, hat sich BAFF dazu entschlossen, eine neue Version zu erarbeiten. Auch hier werden Sexismus und Homophobie thematische Schwerpunkte bilden.

Patenschaft für „Tatort Stadion“

Um die Unabhängigkeit von Fußballverbänden zu sichern, können Fangruppen, fußballinteressierte Projekte und Einzelpersonen mit einer Einlage von 300 Euro die Patenschaft einer Schautafel übernehmen. Die Ausstellung wird ehrenamtlich erstellt, so dass nur die Kosten für Layout und Druck aufgebracht werden müssen. Nach der Präsentation in Bremen steht die Ausstellung soll die Ausstellung durch den deutschsprachigen Raum touren. Interessenten bitte melden bei Martin Endemann unter endi@aktive-fans.de

Migration sichtbar machen

BAFF e.V. fordert die Vereine auf, Kampagnen zur Erhöhung des Anteils von Fans mit Migrationshintergrund und Asylsuchenden in den Stadion zu starten. Grundlage hierzu könnten z. B. Umfragen unter fußballbegeisterten Menschen mit Migrationshintergrund sein, die ihre Bedürfnisse und Hemmungen erfassen. BAFF plant, demnächst auf seiner Homepage einen Good-Practise-Guide bereits unternommenen Fan-Aktivitäten zu publizieren, der Fans dabei helfen kann, auf in diesem Bereich aktiv zu werden.

Nationalismus heißt Ausgrenzung

BAFF hat in einer Auswertung des sog. „Partyotismus“ anlässlich der WM 2006 und der Euro 2008 erkannt, dass auch der viel gerühmte „weiche“ Nationalismus lediglich Kittfunktionen erfüllt und durch illusionäre Aufladung von Fußballereignissen von Krisensyndromen in der Gesellschaft abzulenken. BAFF wehrt sich entschieden dagegen, dass der Fußball hierzu missbraucht wird. Hinzu kommt, dass auch im Vorfeld der WM 2006, der WM 2006 und der EM 2008 auf Nationalismus fußende Diskriminierung und Ausgrenzung sichtbar wurden und z. T. Gewalt nach sich zogen. Anlässlich der bevorstehenden WM 2010 und der Euro 2012 wird u. a. eine Info-Karte entstehen, die zur WM 2010 großflächig verteilt werden soll, z. B. eingeklemmt als Denkzettel hinter den Scheibenwischern von deutschlandbeflaggten Autos.

Copyright © 2007 amballbleiben.orgImpressum