Am Ball bleiben News 02.12.2008

[02.12.2008]
Gegen Diskriminierung und Rassismus im Verein

Am Wochenende fand in Bad Segeberg der Kongress „Vereine stark machen – Im Norden“ statt. Die Veranstaltung war der Auftakt zu einer Reihe von Tagungen auf regionaler Ebene, die als Fortsetzung des bundesweiten Kongresses unter dem gleichen Namen fungieren, der vor einem Jahr in Halle/Saale stattfand.

Präsentieren die Arbeitsergebnisse aus den Workshops: Sarah Köhler, Sami Inci, Ulrike Lau, Sebastian Schmidt.

Als Teilnehmer/innen waren nicht nur Experten angesprochen, sondern Spieler, Trainer, Vorstandmitglieder, Übungsleiter, Sicherheitsbeauftragte, Vereinsmitglieder und engagierte Fans. Jeder also, der in seinem täglichen Umfeld mit Fußball zu tun hat. Das Bündnis für Demokratie und Toleranz, das Projekt „Schleswig-Holstein kickt fair“ des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbands und „am Ball bleiben – Fußball gegen Rassismus und Diskriminierung“ hatten sich zum Ziel gesetzt, mit einem intensiven Erfahrungsaustausch und der Entwicklung gemeinsamer Strategien gegen Intoleranz und Diskriminierung im Fußball zu wirken.

„Ich glaube, dass wir mit unseren Workshops, die bundesweit veranstaltet werden, den Nerv der Vereine treffen“, so Gerd Wagner von der Deutschen Sportjugend aus Frankfurt. „Es ist wichtig, dass Fortbildung und Qualifizierung deutlich ausgebaut werden. Auch müssen die Übungsleiter und Eltern für die Probleme sensibilisiert werden“, so Wagner, der sich wünscht, „dass die Vereine sich an die Verbände wenden, um sich Hilfestellung zu holen“. Gerd Wagner weiter: „Viele wissen gar nicht, welche Möglichkeiten die Verbände anbieten!“

Herausforderung Amateurfußball

Fußball hat mit seiner gesamtgesellschaftlichen Funktion ein großes Potenzial – in positiver wie in negativer Hinsicht. Aggression und Diskriminierung sollten hier keinen Platz haben, trotzdem kommt es immer wieder zu rassistisch und gewaltmotivierten Auseinandersetzungen. Im bezahlten Fußball gibt es bereits eine breite Palette an Maßnahmen gegen Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz auf den Plätzen und Rängen. Die Herausforderung sind aber gerade der Amateurfußball und die kleinen Vereine, die oft Schwierigkeiten haben, ein solches Problem überhaupt erst zu artikulieren und darauf aufmerksam zu machen. Dabei werden Konflikte auf den regionalen Spielfeldern meist zuerst sichtbar: diskriminierende Beleidigungen des Gegenspielers, aggressive Rufe von der Tribüne oder eskalierende Gewalt und Handgreiflichkeiten treten leider bei vielen Amateurvereinen häufig auf. Vielfach wird der Umgang mit den Betreffenden noch erschwert, da es sich oft um Täter aus dem Bekanntenkreis oder um Vereinsmitglieder handelt.

In vier Workshops konnten sich die Teilnehmer/innen der Tagung im Vitalia Seehotel in Bad Segeberg mit den für sie relevanten Fragen auseinandersetzen: „Wie können Vereine gemeinsam mit ihren Mitgliedern und Fans gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung in den eigenen Reihen vorgehen?“, „Wehret den Anfängen – Nur harmlose Fälle oder der Beginn einer ernsthaften Problematik? Zum Umgang mit auffälligen Jugendspielern und dem (Fehl-)Verhalten der Eltern am Spielfeldrand.“, „Integration durch Fußball?“ und „Warum ist die Rückennummer 88 tabu?“ waren die Titel der Workshops.

Die Workshop-Leiter/innen Sarah Köhler (Diplom Sozialpädagogin/Sozialarbeiterin; Internationaler Bund; Fanprojekt Lübeck), Christian Graap (Diplom Sozialpädagoge/Sozialarbeiter; AWO Lübeck), Sami Inci (Projektbeauftragter „SH kickt fair“ des Fußballkreises Neumünster), Ulrike Lau (Diplom-Sozialpädagogin, Gewaltpräventionstraining; Kommunikationstraining) und Sebastian Schmidt (Mitarbeiter des Informations- und Kompetenzzentrums Rechtsextremismus, IKARUS in Wiesbaden) gaben den Teilnehmer/innen wichtige Hinweise im Umgang mit den Problemstellungen.

Tim Cassel vom SHFV: „Sehr erstaunlich war zu sehen, wie groß das Bedürfnis aller Teilnehmer war, über die Themen zu sprechen. Die Diskussionsrunden waren sehr rege. Die Thematik soll in Zukunft vertiefet und das Engagement ausgeweitet werden. Klar ist, dass wir alle auf Jugendplätzen gefordert sind, frühzeitig Zivilcourage zu zeigen.“

Die Veranstalter waren mit der Resonanz sehr zufrieden. Nahezu 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten das Angebot. Die Kosten für Übernachtung und Verpflegung wurden großzügigerweise von den drei kooperierenden Veranstaltern übernommen.

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