Am Ball bleiben News 24.11.2008

[24.11.2008]
Verleihung des Julius-Hirsch-Preises durch DFB

Vergangene Woche wurde im Jüdischen Museum in Berlin zum vierten Mal der Julius-Hirsch-Preis des Deutschen Fußball-Bundes verliehen. Ausgezeichnet werden damit Initiativen gegen Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung. In diesem Jahr ging der Preis u. a. an engagierte Fangruppierungen aus Bremen und Leipzig.

Preisträger Julius-Hirsch Preis 2008. Foto: DFB

In seiner Laudatio betonte der ehemalige Innenminister Otto Schily, Vorsitzender der Preisjury: „Wir freuen uns, dass so viele Gruppierungen und Menschen sich offensiv im deutschen Fußball gegen antisemitische und ausländerfeindliche Parolen und Aktionen engagieren. Gerade im Sport dürfen wird den öffentlichen Raum nicht rechtsextremen Krawallmachern und ihren Propagandaversuchen überlassen.“

Der DFB verlieh den Julius-Hirsch-Preis 2008 an drei Initiativen aus Düren, Leipzig und Bremen, die sich nachhaltig gegen Diskriminierung und Rassismus eingesetzt haben. Diese Entscheidung fällte die Jury um DFB-Präsident Theo Zwanziger, Bundesinnenminister a. D. Otto Schily und die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland Charlotte Knobloch. Neben weiteren Vertretern aus Politik, Kultur und Sport ist auch Gerd Wagner, Leiter des Projekts am Ball bleiben – Fußball gegen Rassismus und Diskriminierung Mitglied der Jury.

Aktivitäten von Fans, Fanprojekt und Vereinen

Erster Preisträger ist die Initiative „Fußballvereine gegen Rechts“ aus Düren. Das bereits 2001 initiierte Projekt erhält ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro. Den zweiten Platz vergab die Jury an die in Leipzig beheimatete Faninitiative „Bunte Kurve“. Die Anti-Diskriminierungskampagne von Werder Bremen, in der neben dem Bremer Fanprojekt vor allem die Fan-AG Antidiskriminierung aktiv ist, wurde auf den dritten Platz gewählt. Die Initiativen aus Leipzig und Bremen erhalten ein Preisgeld von 6.000 bzw. 4.000 Euro für ihre weitere Arbeit. Aufgrund der hohen Qualität der Bewerbungen erkannte die Jury den Preis erstmals in abgestufter Platzierung gleich drei Bewerbern zu. Dieses Verfahren ist auch künftig so vorgesehen.

Die Initiative „Fußballvereine gegen Rechts“ wurde 2001 von Jo Ecker, seinerzeit D-Junioren-Betreuer des FC Niederau 08, in Reaktion auf fremdenfeindliche Erfahrungen mit seiner Mannschaft ins Leben gerufen. Sofort wurde eine Internetseite installiert, auf der sich bislang mehr als 700 Vereine, Verbände und Fan-Clubs öffentlich gegen Rechts positioniert haben. 2006 war die Initiative an der Gründung des „Dürener Bündnisses gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt“ beteiligt. 2007 führte sie Benefizspiele und Turniere gegen Rechts durch. Aktuelles Projekt der Initiative ist die Aktion „Schild gegen Rassismus und Gewalt“.

Bereits seit Längerem engagiert sich auch die Leipziger Faninitiative „Bunte Kurve“ gegen Rassismus. Ausgangspunkt des Projekts war 2006 der Einsatz für den nigerianischen Spieler Adebowale Ogungbure vom FC Sachsen Leipzig, der rassistischen Beschimpfungen ausgesetzt war. Unter dem Motto „Wir sind Ade“ und einer gleichnamigen Website wurden die Fans des FC Sachsen Leipzig aktiv. Mittlerweile findet das Engagement seinen Ausdruck in verschiedenen kreativen und nachhaltigen Aktionen. Dazu gehörte 2006 ein integratives Fußballturnier unter dem Motto „Football Unites“ und 2008 ein internationales Mädchenfußballcamp. Ein Trikotsponsoring der besonderen Art initiierte die Gruppe in der Saison 2007/2008 mit der zweiten Mannschaft des FC Sachsen Leipzig: Deren Trikot zierte das Motto „Für Fußball – gegen Rassismus und Diskriminierung“.

Von beeindruckendem Umfang sind auch die Maßnahmen der Anti-Diskriminierungskampagne, die Werder Bremen gemeinsam mit Fanprojekten und -initiativen durchführt. Mehr als 20 Einzelprojekte umfasst ein koordiniertes Maßnahmenpaket, das Schwerpunkte auf Wertevermittlung und Sensibilisierung, aber auch auf Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit setzt.

Der Preis in Erinnerung an Julius Hirsch, den1943 in Auschwitz ermordeten deutschen Nationalspieler jüdischen Glaubens, wurde vom DFB im Jahr 2005 als Konsequenz aus der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Rolle des Verbandes in der NS-Zeit gestiftet. Bei der Preisverleihung 2008 durfte DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger auch Andreas und Matthias Hirsch, die Enkel von Julius Hirsch, begrüßen.

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