Am Ball bleiben News 10.11.2008

[10.11.2008]
Werder-Fans gehen gegen Rechtsextreme im Block vor

Beim Auswärtsspiel des SV Werder Bremen am vergangenen Samstag gegen den VfL Bochum kam es zu einer viel beachteten Aktion der Mehrzahl der mitgereisten Bremer Fans gegen eine Hooligangruppierung, die eine rechtsextreme Fahne präsentierte.

Die Fahne der Gruppe, die nach Fanberichten bereits beim Einlaufen der Spieler in die Höhe gehalten wurde, zeigt weiß auf schwarz die Aufschrift NS HB Sport Frei, mit einer Totenkopf-Fußball-Flammen-Kombination in der Mitte. Die Buchstaben stehen vordergründig als Kürzel für den Namen der rechtsextremen Nachwuchs-Hooligangruppierung Nordsturm Hansestadt Brema, die Abkürzung NS kann und soll jedoch ebenfalls als Bezug auf den Nationalsozialismus gedeutet werden. Sport Frei ist, wie das Fanprojekt Bremen in seiner Pressemitteilung zu dem Vorfall erläutert, ein Ausdruck aus der Hooliganszene und eine Bremer Kleidermarke, die von der rechten Szene getragen wird.

Nach Ende des Spiels wurde diese Fahne erneut präsentiert, daraufhin ertönten „Nazis raus“- und „Wir sind Bremer und ihr nicht“-Rufe in der Kurve, und es kam zu Auseinandersetzungen zwischen der Gruppe Nordsturm Brema und anderen Fans im Gästeblock. Bald darauf solidarisierte sich die ganze Kurve und mehrere der ebenfalls noch anwesenden Bochumer Fans mit den Protesten gegen die Rechtsextremen. Unter Beifall wurden die Mitglieder der Gruppe schließlich von der Polizei über das Spielfeld abgeführt. Da jedoch kein Straftatbestand vorliegt, wurden sie nach einer Befragung am Samstagabend wieder entlassen.

Positive Reaktion auf Eingreifen der Fans 

Die eindeutige Stellungnahme der Bremer Fans fand viel Beifall. Thomas Hafke vom Fanprojekt Bremen äußerte sich erfreut über die couragierte Reaktion des Bremer Publikums: „Unsere langjährige Arbeit gegen Diskriminierung gemeinsam mit Werder Bremen und der Antidiskriminierungs-AG der Werderfans hat unseres Erachtens gefruchtet.“ Die Antidiskriminierungs-AG gehört zu den diesjährigen Preisträgern des vom DFB verliehenen Julius-Hirsch-Preis. Auch DFB-Präsident Theo Zwanziger lobte die Zivilcourage der Werder-Fans.

Wer sich mit dem Thema Rechtsextremismus im Bremer Fußball intensiver beschäftigen will, hat dazu am heutigen Montagabend Gelegenheit. Unabhängig von den Ereignissen des Wochenendes findet um 20:30 Uhr zur Nacht der Jugend im Bremer Rathaus eine Diskussionsveranstaltung mit dem Titel „Rechtsextreme Bedrohung im Weserstadion“ statt. Eingeladen in die Diskussionsrunde sind neben Bremer Fans u. a. der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer, der Werderspieler Frank Baumann und Thomas Hafke vom Fanprojekt Bremen.

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