Am Ball bleiben News 04.09.2008

[04.09.2008]
Mobile Intervention gegen Rechtsextremismus

Vorkommnisse mit rechtsextremistischem, antisemitischem oder fremdenfeindlichem Hintergrund gehören zum Alltag in vielen deutschen Kommunen – auch hessische Gemeinden sind davon immer wieder betroffen. Seit etwa einem Jahr bietet das beratungsNetzwerk Hessen mit der „mobilen Intervention gegen Rechtsextremismus“ Hilfe an.

Das Projekt ist neben Hessen auch in den fünf ostdeutschen Bundesländern, sowie Bayern, Niedersachen, Rheinland-Pfalz und Saarland gestartet und wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Das Entstehen von „Angstzonen“ innerhalb einer Kommune durch Gewalt von rechtsextremen Gruppierungen gegen Minderheiten ist dabei nur ein Problembereich der Expertenteams. Mobile Intervention heißt, vor Ort Hilfe bei der Lösung von akuten Krisensituationen anzubieten, dabei Lösungsansätze für den weiteren Umgang mit rechtsextremistischen Vorkommnissen zu finden und gleichzeitig Rechtsextremismus präventiv einzudämmen. Dies gilt auch für Sport- bzw. für Fußballvereine, die dann eine Zielgruppe des Beratungsnetzwerks Hessen werden, wenn sie von rechtsextremistischen Vorkommnissen betroffen sind.

Dazu zählt auch der aktuelle Fall eines Vaters, der als hoher Funktionär der hessischen NPD den Posten als Jugendtrainer in einem Fußballverein in Mittelhessen übernahm, was hauptsächlich ausländischen Eltern Grund zur Sorge gab. Die Beratungen mit dem mobilen Interventionsteam dauerten fast ein Jahr, bis sich der Verein vom Trainer trennte. Angelika Ribler von der Sportjugend Hessen war an der Problemlösung maßgeblich beteiligt und sagt: „Beratung heißt für mich: Gemeinsam mit dem Verein eine Lösung finden. Keine fertigen Lösungen präsentieren, sondern gemeinsam einen Weg finden, den der Verein gehen kann. Wenn ich gleich sage, der Mann muss weg, dann würde es in vielen Fällen schwierig werden. Die Mitglieder sind ja dort verwurzelt, oft sind es gut funktionierende Gemeinschaften. Auch besteht ein Mangel an Ehrenamtlichen, den man oft nicht so schnell ausgleichen kann. Der Betreffende war aus der Sicht des Vereins – sportlich gesehen – ein guter Jugendtrainer. Dies sind für Außenstehende die ‚falschen’ Gründe an jemanden festzuhalten. Als externe Beraterin muss man sie jedoch beachten, denn sonst verschließt sich der Verein.“

Die Expertenteams setzen sich zusammen aus Ansprechpartnern der Kommunalverwaltung, Integration und Kultur, Schule, Bildung, Jugend- und Sozialarbeit und auch öffentliche Sicherheit und weiteren Projekten und Netzwerken, die sich aktiv gegen Rechtsextremismus einsetzen. Dem Beratungsnetzwerk Hessen gehören des Weiteren zahlreiche Organisationen, öffentliche und freie Träger aus Hessen an. Sie unterstützen im Expertenpool zeitnah die Mobilen Interventionsteams vor Ort. Kerngedanke der mobilen Intervention ist es, die bestehenden Strukturen im Kampf gegen Rechtsextremismus zu stärken und das Thema noch weiter in das Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken.

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