Am Ball bleiben News 13.05.2008

[13.05.2008]
Aufklärung über Thor Steinar

Die Diskussion um das Verbot bestimmter als rechts geltender Modemarken, insbesondere das Label Thor Steinar war in den vergangenen Monaten ein wichtiges Thema in der Fußballszene. Eine neue Broschüre der Aktionsgruppe „Investigate Thor Steinar“ liefert nun ausführliches Informationsmaterial.

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In der Debatte um den sinnvollen Umgang mit rechten Codes und Symbolen und um Stadionverbote für bestimmte Marken fehlt es häufig an sorgfältig recherchierten Informationen, bei Fans ebenso wie bei Verbands- und Vereinsfunktionären. Das war auch der Ausgangspunkt für „Investigate Thor Steinar“: „Begrenzte Ressourcen und Informationslücken bei Materialien und Presseartikeln vergangener lokaler Projekten bezüglich „Thor Steinar“ ließen uns aufmerksam werden.“, so Pascal Todt für die Aktionsgruppe. „Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dieser Modemarke schien uns notwendig. Das Ergebnis ist eine detaillierte Broschüre, welche ein umfassender und belastbarer Informationshintergrund sein soll und auch Anreiz, Basis und Angebot für lokale und überregionale Kampagnen bilden kann.“

Die Marke bewegt sich mit vieldeutigen Symbolen, Bildern und Inhalten in einer rechtlichen und moralischen Grauzone. Dies ermöglicht es ihr, ein breites Spektrum an Träger_innen anzusprechen. Die besondere Auswahl der Motive, Farben, Schriftzüge und Inhalte eröffnet Deutungsmöglichkeiten bezüglich nordisch-völkischer Mythologie, Kolonialismus und Nationalsozialistischer Ideologie. Pascal Todt: „Der Eindruck, diese Motive seien wahllos in künstlerischer Freiheit entstanden, ist bei einer genaueren Betrachtung nicht mehr nachvollziehbar. Eröffnet der erste Blick auf die Kollektion noch ein harmloses Bild, erschließt sich bei genauerer Betrachtung bereits der bedenkliche Bedeutungsinhalt der Motive.“

Grundlage für Auseinandersetzungen

Auf diese Weise wird der ungehinderte Transport von zweifelhaften Inhalten nach außen – meist durch rechtsgesinnte Träger/innen – möglich. Dieser neuartige Weg bietet ihnen die Gelegenheit, ihre Ideologie öffentlich zur Schau zu stellen, ohne hierbei jedoch in den Fokus gesellschaftlicher Ächtung zu geraten. „Wir wollen eine verständliche Auseinandersetzung mit dieser Thematik bieten. Diese beinhaltet die Analyse der Herkunft des Namens und des Logos, sowie die Betrachtung der Kleidungsstile.“ Die einzelnen Motive werden in ihre Deutungsmöglichkeiten aufgeschlüsselt, eine Auseinandersetzung mit der Vielzahl an eindeutig-mehrdeutigen Symbolen und Bezügen erfolgt ebenso wie eine chronologische Auflistung der Ereignisse im Zusammenhang mit „Thor Steinar“.

Die Auseinandersetzungen um den Laden „Tönsberg“ in Berlin und die mittlerweile durch das Landgericht Magdeburg verhängten Räumung des Laden „Narvik“ im Magdeburger Hundertwasserhaus, zeigen, dass die Modemarke „Thor Steinar“ in der Öffentlichkeit nicht als eine unbedenkliche Modemarke wahrgenommen wird. Pascal Todt: „Unsere bundesweit erscheinende Broschüre soll genau an diesem Diskussionsprozess ansetzen und eine Unterstützung in der Auseinandersetzung um die Marke ‚Thor Steinar’ sein.“

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