Am Ball bleiben News 20.03.2008

[20.03.2008]
Antirassismuspreis an Ultras Darmstadt

Ihr Verein steckt gerade in großen Finanznöten, umso größer war die Freude der Ultras Darmstadt über die Auszeichnung im lokalen Wettbewerb „Gesicht zeigen“. Geehrt wurden die Fußballfans am vergangenen Freitag für ihr vielfältiges antirassistisches Engagement im Stadion und außerhalb.

Die Auszeichnung kommt zu einem guten Zeitpunkt. „In der Woche davor hatten wir gerade erfahren, dass unser Verein von der Insolvenz bedroht ist, da tun positives Nachrichten natürlich gut. Wir freuen uns, dass unser Engagement belohnt wird“, erzählt Tim Strack, Gründungsmitglied der Ultras Darmstadt.

Aktiv gegen Rassismus und Rechtsextremismus – nicht nur im Stadion

Der Preis des lokalen Wettbewerbs „Gesicht zeigen“ wurde am vergangenen Freitag verliehen, die Stadt Darmstadt ist Mitglied bei GesichtZeigen. Aktion weltoffenes Deutschland e. V. www.gesichtzeigen.de und vergibt die Auszeichnung seit einigen Jahren an lokale Initiativen oder Einzelpersonen, die sich öffentlich gegen Rassismus und Diskriminierung einsetzen. Der erste, mit 1.500 Euro dotierte Platz ging an den Arzt Wolfgang Kauder, die Ultras Darmstadt erhielten für den zweiten Platz 500 Euro.

FARE-Aktionswoche 2007: Transparente von Spielern ..

„Angefangen hat es 2005 mit dem ersten Besuch auf der Mondiali Antirazzisti www.mondialiantirazzisti.org, das war für die Gründungsmitglieder unserer Gruppe ein sehr prägendes Erlebnis. Seitdem hat sich das antirassistische Engagement sowohl im Stadion als auch außerhalb weiter gefestigt. Wir sind mit Spruchbändern in der Kurve präsent, informieren mit Flyern über Nazi-Labels und haben letztes Jahr zur FARE-Aktionswoche eine gemeinsame Transparente-Aktion mit den Spielern gemacht“, berichtet Tim Strack.

Die Ultras Darmstadt positionieren sich – entgegen dem „Keine Politik im Stadion“-Motto anderer Gruppierungen – nicht nur im Stadion deutlich gegen Rassismus und Rechtsextremismus, sie sind über gemeinsame Teilnahmen an Kundgebungen und Demonstrationen auch mit anderen antirassistischen Initiativen in der Stadt verbunden. So beteiligten sich die Ultras an der Aktion „Kein Bier für Nazis“ gegen die Nutzung oder Anmietung von Lokalen für rechte Parteiversammlungen und holten auch die Vereinsgaststätte des SV Darmstadt 98 mit ins Boot.

... und Fans in Darmstadt

Bildungsarbeit fällt auf fruchtbaren Boden

Sascha Rittel, Leiter des Darmstädter Fanprojekts, ist stolz auf „seine“ Preisträger und lobt das Engagement der Fans des derzeitigen Oberligisten: „Hier kann man wirklich sehen, wie politische Bildungsarbeit greift. Unsere Angebote für ein antirassistisches Engagement in der Fanszene, angefangen mit der ersten Fahrt zur Mondiali vor einigen Jahren, sind auf fruchtbaren Boden gefallen und mittlerweile kann man sagen, dass die Fans in Sachen Antirassismus fast alles in Eigenregie machen.“ Das Fanprojekt nutzt dann die Gelegenheit, auch gleich das Nachdenken über andere Diskriminierungsformen anzuregen. Für einen Vortrag über Homophobie im Fußball wurde im Februar Dieter Bott, Soziologe und langjähriger Begleiter der Fanprojektarbeit, eingeladen. Interesse und Resonanz waren auch hier groß. „Darüber wird bei uns noch immer diskutiert“, so Sascha Rittel.

Im Moment allerdings stehen die Sorgen um die Zukunft des Vereins verständlicherweise bei den Fans an erster Stelle. „Das gehen jetzt gerade alle Energien rein“, sagt Tim Strack. „Wir werden uns auf jeden Fall weiter als Fußballfans gegen Rassismus einsetzen, aber dafür brauchen wir unseren Verein.“ Die Unterstützungsaktionen für den Verein stoßen nicht nur unter den Fans auf viel Resonanz, in der ganzen Stadt ist das Interesse am Schicksal der traditionsreichen „Lilien“ groß. Und die Auszeichnung für die Ultras Darmstadt und ihren Einsatz gegen Rassismus kommt dabei wie gerufen, zeigt sie doch, dass Fußballfans sich für mehr interessieren als Bier und Tore.

Copyright © 2007 amballbleiben.orgImpressum