Am Ball bleiben News 05.02.2008

[05.02.2008]
Fanbeauftragte stark machen

Ein angeregter Informations- und Erfahrungsaustausch, aber auch kontroverse Diskussionen zu Rassismus und Diskriminierung im Fußball prägten die zweitägige Tagung des DFB am 25./26. Januar in Duisburg-Wedau.

Zielgruppe der Veranstaltung waren die Fanbeauftragten aus den 37 Vereinen der beiden Regionalligen Nord und Süd. Ein Schwerpunktthema der Tagung war der Umgang mit rassistischen und diskriminierenden Vorfällen im Verein, das in vier Arbeitsgruppen intensiv behandelt wurde. Geleitet wurde die Veranstaltung von Gerd Wagner vom Projekt „Am Ball bleiben“.

Ausgangspunkt war die Fragestellung, mit welchen Problemen bzw. Schwierigkeiten sich die Fanbeauftragten in ihrem Verein auseinanderzusetzen haben.  Mangelndes Verständnis und Verharmlosung seitens vieler Fans, fehlendes Problembewusstsein und geringe Unterstützung durch den Verein, oftmals ungenügende Schulung und fehlende Kenntnisse der Ordnungskräfte sowie eine mangelhafte Zusammenarbeit mit der Polizei waren die Kritikpunkte, die von vielen Fanbeauftragten genannt wurden. Hier wurde schnell deutlich, dass der Fanbeauftragte aufgrund seiner Position und seines Aufgabenfeldes zuallererst zwischen vier Bezugsgruppen zu vermitteln hat: den Fans, der Vereinsführung, dem Sicherheits- und Ordnungsdienst und der Polizei, die jede für sich eigene Interessen verfolgen.

Auch bei der Frage „Welche Handlungs- und Lösungsansätze sind aus der Sicht der Fanbeauftragten sinnvoll?“ war offensichtlich, dass es keine Patentrezepte im Umgang mit rassistischen und diskriminierenden Vorfällen geben kann. Als eine mögliche Reaktion auf die Gefahr einer systematischen Unterwanderung von Vereinen unterhalb der Profiligen verankerten mehrere Regionalligavereine das Verbot bestimmter Kleidungsmarken und Symbole in ihren Stadionordnungen. Sinn und Wirksamkeit solcher Maßnahmen wurden heiß und kontrovers diskutiert. Dabei zeigte sich jedoch auch, dass seitens der Fanbeauftragten ein großer Informations- und Aufklärungsbedarf besteht. So wurde dem Vortrag von Sebastian Schmidt von Ikarus, dem Informations- und Kompetenzzentrum Rechtsextremismus in Hessen, große Aufmerksamkeit gewidmet. Damit war es auch wenig erstaunlich, dass durchweg alle Teilnehmer es für notwendig halten, dass der DFB weitreichende auf die jeweilige Zielgruppe (Fans, Verein, Ordnungsdienst, Polizei) ausgerichtete Schulungsmaßnahmen entwickelt und durchführt.

Im letzten Teil des Themenkomplexes Rassismus und Diskriminierung gingen die Fanbeauftragten der Frage nach, welche Form der Unterstützung sie benötigen. Genannt wurden u.a. Informationsmaterialien und Argumentationshilfen, nachhaltige und kontinuierliche Aktionen seitens DFB und der Landesverbände sowie die konkrete Forderung nach einer gemeinsamen Zukunftswerkstatt mit den Geschäftsführern und den Sicherheitsbeauftragten der Regionalligavereine.

Gerald von Gorrissen, Leiter der Fananlaufstelle beim DFB, zog nach der Tagung ein positives Fazit: „Ich bin sehr zufrieden mit den Ergebnissen der Veranstaltung und der Bereitschaft der Fanbeauftragten, sich intensiv mit komplexen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Da bis auf wenige Ausnahmen die meisten Fanbeauftragten ehrenamtlich arbeiten, kann man ihr Engagement nicht hoch genug einschätzen. Daher wird es auch zukünftig mein Hauptanliegen sein, die Position der Fanbeauftragten im Verein zu stärken und sie in ihrer Arbeit aktiv zu unterstützen.“

Ein weiteres Schwerpunktthema der Tagung war der Umgang mit Konfliktsituationen im Verein. Hierzu diskutierten die beiden Referentinnen Astrid Pulter und Angelika Ribler vom Institut für Sportmediation und Konfliktmanagement (www.institut-sportmediation.de) anhand konkreter Fallbeispiele mit den Fanbeauftragten.

Die Arbeitsergebnisse zur Tagung gibt es demnächst im pdf-Format auf dieser Seite.

Copyright © 2007 amballbleiben.orgImpressum