Am Ball bleiben News 18.11.2007

[18.11.2007]
Fan-Ini macht erfolgreich Theater:
Auszeichnung für „RepuBlick auf Schalke“

Es war ein toller Lohn für viel Arbeit: Das Theaterprojekt der Schalker Fan-Initiative, „RepuBlick auf Schalke“, wurde beim Landeswettbewerb „Grenzüberschreitungen“ im Rahmen der „Nationalen Abschlussveranstaltung des europäischen Jahres der Chancengleichheit“ in Aachen prämiert.

Stolze Preisträger (v.l.): Dr. Susanne Franke (Fan-Ini), Jana Hansjürgen (Leiterin des schwul-lesbischen Jugendzentrums „The Point“), Hannes Koopmann und Sven Schneider (beide Fan-Ini) sowie Theaterregisseur Kemal Demir. (Quelle: schalke04.de)

Auf Einladung von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen und NRW-Integrationsminister Armin Laschet nahmen Vertreter der Schalker Fan-Initiative und deren Kooperationspartner an der Preisverleihung im Krönungssaal des Aachener Rathauses teil. Dort wurden die Gewinner des Wettbewerbs als „Best Practice“-Beispiele im Sinne dieses europäischen Motto-Jahres ausgezeichnet. Im Rahmen der gleichzeitig stattfindenden Projektbörse präsentierten die Gelsenkirchener „RepuBlick auf Schalke“ auf DVD.

Die Aufführungen auf Bühnenbrettern fanden im Mai dieses Jahres im Gelsenkirchener Consol-Theater statt, die Arbeit daran begann natürlich schon lange vorher und wurde, wie Susanne Franke erzählt, fast ausschließlich ohne Entlohnung gestemmt. „Wir hatten eine Honorarkraft, das war Kemal Demir, unser Regisseur, alles andere, Schauspieler, Betreuer, Pädagogen, Bühnenbildner, die haben das ehrenamtlich gemacht.“ Geld und Ausstattung kam von Sponsoren, weitere Unterstützung auch vom Verein FC Schalke 04, dessen Ehrenpräsident Gerd Rehberg Schirmherr des Projekts wurde.

Diskriminierung auf der Bühne thematisieren – und in der Praxis

Und wie kommt eine Fan-Initiative überhaupt auf die Idee, ein Theaterprojekt mit Jugendlichen zu machen? „Ganz einfach,“ meint Susanne, „wenn du Antirassismusarbeit im Fußball machst so wie wir, denkst du irgendwann auch über Jugendarbeit nach. Wir haben z. B. schon früher einen Austausch mit Polen, mit Lech Poznan, gemacht und gemerkt, das Wichtigste ist, gemeinsam etwas zu machen. So entstand die Idee für ein Theaterprojekt.“

Gemeinsam machen, das hieß für die Arbeit am Stück „RepuBlick auf Schalke“ auch, dass sich das engagierte Team aus jungen Laiendarstellern mit den Themen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus oder Homophobie auseinandersetzt: auf der Bühne, weil es ihre Rolle vorgeben, aber auch ganz praktisch in der direkten Konfrontation. „Wenn da ein junger Türke zum ersten Mal in seinem Leben tatsächlichen einen Schwulen kennenlernt, dann passiert durch solche Begegnungen natürlich was und die Vorurteile und Klischees funktionieren nicht mehr so einfach“, erzählt Susanne. Die Auseinandersetzung mit politischen Themen hat die Arbeit der Schalker Fan-Ini schon lange bestimmt, nicht aus Selbstzweck, weil man gerne Politik machen wollte, sondern weil das Stadion nun mal ein Ort war, wo den Fans Rassismus und Rechtsextremismus begegnete und sie dagegen kämpfen wollten, um „ihren“ Raum zu verteidigen. Und so ist auch im Stück der Fußball oder genauer: der FC Schalke 04, das verbindende Element. Am Ende wird Schalke einmal mehr nicht Meister, aber auf den Tribünen wird gemeinsam getrauert und gesungen.

Engagement mit Tradition

Die Schalker Fan-Ini gehört zu den ersten Fangruppen, die sich gegen Rassismus im Fußball engagiert haben und hat ihren Aktionsradius ständig erweitert. So gibt es nicht erst seit „RepuBlick auf Schalke“ ein starkes Engagement gegen Homophobie und eine Zusammenarbeit mit schwul-lesbischen Organisationen. Zur FARE-Aktionswoche 2007 lancierte die Fan-Ini das Projekt „Unsere U-Bahn fährt zum Stadion – Schalker gegen Nazigesänge“: Mit Deckenflyern in Gelsenkirchener Straßenbahnen wurde zum Protest gegen das antisemitische U-Bahn-Lied und zu mehr Zivilcourage aufgefordert.

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