Am Ball bleiben News 13.11.2007

[13.11.2007]
Veranstaltungshinweis: Vortrag zur NS-Geschichte des 1. FC Nürnberg

Mit dem Thema Fußball im Nationalsozialismus beschäftigt sich Bernd Siegler am 15.11. in seinem Vortrag „Eine Fahrkarte nach Jerusalem. Der 1. FC Nürnberg wird judenfrei“. Der Journalist und Buchautor gibt Einblicke in die Geschichte des „Clubs“ in den 30er- und 40er-Jahren und fügt damit den historischen Auseinandersetzungen mit den Verwicklungen deutscher Vereine in den Nationalsozialismus ein weiteres kleines Kapitel hinzu.

Der Vortrag von Bernd Siegler, der diese und andere Episoden der Club-Geschichte beleuchtet, findet statt am:

15. November 2007
um 20:00 Uhr
im Nürnberger Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur

(Hans-Sachs-Platz 2)

Für das gerade aktualisierte Standardwerk zur Geschichte des 1. FC Nürnberg, „Die Legende vom Club“ (Verlag Die Werkstatt), hat Bernd Siegler u. a. die Zeit des Nationalsozialismus bearbeitet und ermöglicht so einen Blick auf einen Teil der Fußballgeschichte, der bei vielen Vereinen noch immer lieber ignoriert wird. Für den Club in der Stadt der Reichsparteitage begann die Verstrickung in die NS-Ideologie schon 1932: Nach dem verlorenen Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft gegen den FC Bayern München im August 1932 veröffentlichte die in Nürnberg erscheinende antisemitische Zeitschrift „Der Stürmer“ einen Hetzartikel. Unter der Rubrik „Der 1. FC Nürnberg geht an den Juden zugrunde“ wurde der Club aufgefordert, seinem jüdischen Trainer Eugen Jenö Konrad „eine Fahrkarte nach Jerusalem“ zu geben, um „wieder gesund“ zu werden. Vereinsführung und auch Spieler stellten sich zwar hinter Konrad, aber er zog dennoch die Konsequenzen und verließ Deutschland noch vor der Machtergreifung 1933.

Die Auseinandersetzung deutscher Fußballvereine mit dem düstersten Kapitel ihrer eigenen Geschichte fällt sehr unterschiedlich aus. Während die Jahre zwischen 1933 und 1945 bei vielen in den Chroniken noch immer lieber ausgeblendet oder nur im Vorbeigehen behandelt werden, gibt es zunehmend auch Klubs, die historische Recherchen unterstützen oder sogar selbst in Auftrag geben. So berichtete amballbleiben.org über die Ausstellung des Hamburger Sport-Vereins „Die Raute unter dem Hakenkreuz“, die noch bis zum August 2008 im vereinseigenen Museum zu sehen ist. Einen Überblick über die bisher erschienenen deutschen Publikationen zum Thema „Fußball und Nationalsozialismus“ finden Sie außerdem in unserer Literaturauswahl

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