Am Ball bleiben News 26.10.2007

[26.10.2007]
Kontra geben – aber wie?
Sprechbaukasten gegen rechtsradikale Sprüche

Mit Rassismus und Rechtsradikalismus werden wir in verschiedenen Formen und Auswüchsen konfrontiert. In der Schule, im Berufsleben am Arbeitsplatz, in der Freizeit, aber auch auf dem Sportplatz. Bereits im Jahr 2002 hat die Deutsche Sportjugend (dsj) gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung unter dem Titel „Kontra geben“ einen Sprechbaukasten entwickelt, der nun aktualisiert wurde.

Dieses Trainingsmedium Sprechbaukasten richtet sich im Sport speziell an die Zielgruppe Trainer/-innen Übungs- und Jugendleiter/-innen, für deren alltägliche Auseinandersetzung mit rassistischen und antisemitischen Sprüchen im Umfeld des Sports. Gerade dieser Personenkreis genießt bei den Kindern und Jugendlichen einen hohen Stellenwert mit Vorbildfunktion und hat den engsten Bezug zu den jungen Menschen. Mit dem multimedialen Programm zum Sprechbaukasten will die dsj dieser wichtigen Gruppe von Menschen eine Trainingsmöglichkeit anhand geben, sich auf die verbalen Fouls schlagfertig und souverän vorzubereiten und somit ihre Vorbildfunktion durch sprachliche Kompetenz unter Beweis zu stellen.

Die dsj hat dieses Gemeinschaftsprojekt in den vergangenen fünf Jahren federführend in den Sportstrukturen vorangetrieben und umgesetzt sowie die Koordination für  Schulungen und den Vertrieb der Sprechbaukästen übernommen.

In sieben Videosequenzen werden verschiedene Situationen vorgestellt, die diskriminierendes Verhalten zeigen. Eine davon: Ein Vereinskollege bringt seine farbige Freundin mit zum Training und muss dafür diskriminierende Sprüche einstecken. Das Besondere: Der Lernende kann nun mit dem Sprechbaukasten testen, wie er auf die gezeigte Situation reagieren würde. Er kann seinen eigenen Text einsprechen und dann abhören. So erlebt sich der Betroffene selbst in der dargestellten Situation. Gleichzeitig verfolgt ein Partner das verbale Training und teilt mit, wie er die Reaktionen des Übenden und ihre Wirksamkeit einschätzt. Das Programm bietet fünf unterschiedliche Reaktionsmuster an, die auf die jeweilige Szene bezogen werden. Dabei reicht das Spektrum vom humorvollen Umgang bis zur Provokation.

Der Sprechbaukasten wurde temporär in die Aus- und Fortbildungsarbeit zahlreicher Sportverbände aufgenommen.

Die Sportjugend NRW und der Landessport-Bund NRW hatten dieses Projekt bereits in ihre Fortbildungsreihe zum Programm „Integration durch Sport“ 2004 aufgenommen sowie 2007 für die Bereiche Bildung und Sport-Jugendferienreisen. Viele weitere dsj-Mitgliedsorganisationen haben sich seit Einführung dieses Projekts beteiligt und führen es bis heute in ihren Strukturen fort.

Seit dem Start der Aktion im April 2002 wurden bis heute rund 75 Schulungsveranstaltungen für Multiplikatoren/-innen im gesamten Bundesgebiet durchgeführt. Dabei konnten Tausende Trainer/-innen, Übungsleiter/-innen und Jugendleiter/-innen erreicht werden.

10.000 Sprechbaukästen sind seither durch die unterschiedlichsten Nutzergruppen abgerufen worden.  Beispielhaft sind hier folgende Institutionen und Personengruppen zu nennen: DOSB- und dsj-Mitgliedsorganisationen, Sportvereine, Multiplikatoren/-innen, Trainer/-innen-, Übungsleiter/-innen- und Jugendleiter/-innen, aber auch andere gesellschaftliche Institutionen wie Schulen, Polizei, Feuerwehren und Bundeswehr haben sich dieses Mediums bedient.

Internationales Kooperationsprojekt

In den Jahren 2004 und 2005 wurde dieses Projekt mit dem internationalen ARCTOS-Projekt verknüpft. In acht europäischen Ländern wurde unter dem Titel ARTCOS-ANTI-RACISM-TOOLS eine Broschüre nebst 10 nonverbalen Videoclips in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Bundesorganisation/Jugend erstellt und den Internationalen Sportstrukturen zur Verfügung gestellt.

Weiterentwicklung des Sprechbaukastens 2008 bis 2010

Mittelfristig ist geplant, den Sprechbaukasten interaktiv auf Basis des Internetmediums WEB 2.0 den Nutzerinnen und Nutzern zur Verfügung zu stellen.

Der Sprechbaukasten besteht aus zwei Kopfhörern, einem Mikrophon, einer CD-ROM und einem Handbuch.

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