Am Ball bleiben News 08.10.2007

[08.10.2007]
Ausgezeichnet: „Im Schatten des Spiels“ erhält Fußball-Kulturpreis


Am Wochenende ist das Buch des Sportjournalisten Ronny Blaschke „Im Schatten des Spiels. Rassismus und Randale im Fußball“ in Nürnberg mit dem Fußball-Kulturpreis der Deutschen Akademie ausgezeichnet worden. Der Preis wird von einer Jury aus elf bekannten Sport- und KulturjournalistInnen vergeben. Die Laudatio für Blaschkes Buch hielt Birgit Schönau, die für die „Süddeutsche Zeitung“ aus Italien berichtet.

Ronny Blaschkes Buch, das im Verlag Die Werkstatt erschien, ist eine Reise durch die Abgründe des Fußballs in Europa und wirft Schlaglichter auf so unterschiedliche Phänomene wie die Macht der faschistischen Ultra-Gruppen in Italien, Fanarbeit gerade mit sogenannten „Problemfans“ in Deutschland oder den Niederlanden und die ganz anders gearteten Fußball-Fankultur in den USA. Ausgangspunkt für Ronny Blaschke, 1981 in Rostock geboren, waren die eigenen und mitunter beängstigenden Erlebnisse in der Kurve des FC Hansa: „Ich fragte mich, aus welchem Antrieb sich diese Massen bewegten, welche Ursachen ihrer Wut zu Grunde lagen und warum ausgerechnet mein Verein als Bühne für Brutalität dienen musste.“

Ronny Blaschke

Besonders interessiert Blaschke die Verbindung der Erscheinungsformen von Gewalt und Diskriminierung mit gesellschaftlichen Zuständen und gerade hier hilft die Ausweitung des Blicks auf die europäische Perspektive, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten besser zu verstehen. „Im Schatten des Spiels“ bleibt allerdings nicht bei der Beschreibung der Zustände stehen, es lässt auch die „Opfer“ zu Wort kommen und diejenigen, die sich gegen Diskriminierung und Gewalt einsetzen – so schildert Blaschke unter der Überschrift „Das Ende der Peinlichkeiten“ die klare Haltung von DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger.

Auch das Buch selbst wird damit zu einem Engagement gegen die Schattenseiten des Fußballs. So beschreibt Ronny Blaschke selbst die Arbeit und ihr Ergebnis:

Zwei Jahre dauerten die Recherchen, in dieser Zeit sprach ich mit Fanarbeitern, Aktivisten, Wissenschaftlern, Politikern, Polizisten und Hooligans in Deutschland, England, Italien, Polen, in den Niederlanden, Argentinien, Brasilien und den USA. Über die vielen Eindrücke ließe sich ein weiteres Buch schreiben. Die angenehmsten Begegnungen hatte ich zumeist im Amateurfußball. Schiedsrichter aus der Kreisliga, Spieler von Türkiyemspor oder Funktionäre von TuS Makkabi berichten frei von Eitelkeiten und Hintergedanken. Sie hätten ihre Geschichten, die oftmals spannender sind als jene aus der rosaroten Bundesliga, schon früher erzählt, es hatte sie bloß selten jemand gefragt. Und so ist „Im Schatten des Spiels" auch ein Forum für sie geworden, das ihre Sorgen eine Weile länger in der Öffentlichkeit hält.

„Im Schatten des Spiels. Rassismus und Randale im Fußball“ ist im Verlag Die Werkstatt in Göttingen erschienen, hat 240 Seiten und kostet 16,90 Euro.

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