Am Ball bleiben News 12.09.2007

[12.09.2007]
Doppelte Benachteiligung: Frauen, Fußball, Integration

Eine Benachteiligung von Frauen und Mädchen ist im Fußball auf vielen Ebenen spürbar – sei es in Vorurteilen über weibliche Unwissenheit, sexistischen Fangesängen oder der Unterrepräsentation von Frauen in leitenden Positionen in Vereinen und Verbänden.

Auch wenn sich in Deutschland im Bereich des Frauen- und Mädchenfußballs eine positive Entwicklung abzeichnet und Vorurteile allmählich zurückgedrängt werden, ist hier weiter ein stetiger Kampf um Anerkennung notwendig. Verdoppelt wird diese Problematik für Mädchen und Frauen migrantischer Herkunft, die es neben Abwertungen oder Benachteiligungen aufgrund ihres Geschlechts auch noch mit rassistischen Diskriminierungen zu tun bekommen. Hier tritt die ambivalente Rolle, die der Fußballs in der Gesellschaft spielt und spielen kann, besonders deutlich zutage: Einerseits werden auf und neben dem Platz immer wieder Ausschlüsse und Gegnerschaften hergestellt, und das entlang klar definierter Trennlinien – Türken gegen Deutsche, Jungs gegen Mädchen, die Harten gegen die Weicheier usw. Auf der anderen Seite belegen gerade die Erfahrungen von fußballspielenden Mädchen und Frauen aus migrantischen Familien, dass die Rede vom Integrationspotenzial des Fußballs mehr als nur ein „Sommermärchen“ ist: Gewachsenes Selbstbewusstsein, positives Körpererleben und Anerkennung innerhalb und außerhalb der Gruppe sind positive Aspekte, die aus dem Fußballspiel trotz der „doppelten“ rassistischen und sexistischen Diskriminierungen entstehen können.

Literatur-Tipp:

Einige Lesetipps zu den Themen Integration und Migration im Fußball finden Sie auf unserer Website unter dem Stichpunkt Materialien

Das Thema Integration, Frauen und Fußball hat in der letzten Zeit größere Aufmerksamkeit erfahren. Der DFB finanziert das Projekt „Soziale Integration von Mädchen durch Fußball“, das unter wissenschaftlicher Leitung von Dr. Ulf Gebken an zehn Standorten in Deutschland in Kooperation von Schule, Sportverein und Kommune durchgeführt wird. Gemeinsam mit einem Sponsor wird vom DFB zudem der Integrationspreis ausgelobt, mit dem Projekte und Aktivitäten in Schulen oder Fußballvereinen ausgezeichnet werden, die eine bessere Integration von Menschen mit Migrationshintergrund – und besonders Mädchen und Frauen – zum Ziel haben. Einsendeschluss für Bewerbungen ist der 30. September 2007. Mehr zu den Teilnahmebedingungen finden Sie auf der Website des DFB.

Aber auch an der Basis gibt es Aktivitäten: Die antirassistische Projektgruppe Flutlicht hat den Aspekt Migrantinnen und Fußball in ihrer Ausstellung „Ballarbeit“ sowie in verschiedenen Veranstaltungen, u. a. in Kooperation mit Berliner Migrantenvereinen, beleuchtet. Spielerinnen des multi-ethnischen Frauenteams von Al Dersimspor, Berlin, drehten über ihre Mannschaft bereits 2005 einen Kurzfilm und organisierten im Jahr darauf ein Länderspiel gegen die iranische Nationalmannschaft der Frauen in Teheran. Das Rückspiel sollte am 1. Juni 2007 in Berlin-Kreuzberg stattfinden und wurde bedauerlicherweise von der iranischen Regierung in letzter Minute abgesagt.

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