Am Ball bleiben News 02.08.2007

[02.08.2007]
Isländischer Fußballer outet sich – im Kino

Der Star des erfolgreichsten Fußballteams der Insel, umschwärmt von Fans, beliebt in der Mannschaft und dann schwul? Dieses Szenario und seine Folgen spielt der isländische Film „11 Men Out“, der am 2. August ins Kino kommt, durch.

Dabei erfolgt das Outing des Fußballstars Óttar vom Erstligisten aus Reykjavik nicht einmal, um eine politische Botschaft zu vermitteln, sondern eher etwas unüberlegt und aus persönlicher Eitelkeit – um nämlich auf die Titelseite eines Hochglanzmagazins zu kommen. Nachdem der entscheidende Satz „Ich bin schwul“ dann gleich in den ersten Minuten gefallen ist, widmet sich „11 Men Out“ in den folgenden anderthalb Stunden der Frage nach den Konsequenzen. Der Film dekliniert die verschiedenen Reaktionen des privaten und öffentlichen Umfelds durch: Ausschluss, Aggression, Angst und Therapieversuche. Verständnis und Gleichgesinnte findet Óttar in einer niederklassigen Mannschaft, die daraufhin schnell als „Schwulen-Team“ verschrieen ist, mit allen Problemen, die das auf und neben dem Platz so mit sich bringt. Schließlich siegt jedoch der Mannschaftsgeist und man nimmt die Herausforderung an, an der Gay-Pride-Parade in Reykjavik teilzunehmen und anschließend gegen Óttars altes Team anzutreten. Auch wenn das Spiel haushoch verloren geht, steht für den Helden am Ende doch die Versöhnung mit der Familie und die Aussicht, bald einen weiteren ehemaligen Mitspieler in der Isländer Schwulenszene begrüßen zu dürfen.

„I am what I am“ auf Isländisch

Unser Tipp:

Mehr zum Thema Homophobie im Fußball finden Sie in unserer Rubrik Themenfelder.

Ein Interview mit Tanja Walther, ehemalige Bundesligaspielerin u.a. für Turbine Potsdam und Aktivistin im Kampf gegen Homophobie, lesen Sie im Newsarchiv.

Regisseur Róbert I. Douglas lässt „11 Men Out“ in seiner Heimat Island spielen, um zu zeigen, „was es bedeutet, als Schwuler in einer so vom Machismo geprägten Gesellschaft wie der isländischen zu leben“. Dementsprechend erwartet die Zuschauer viel alkoholgeschwängerte nordische Tristesse und eine graue und ständig nasse Insel, die sich von skandinavischer Gleichstellungspolitik weitgehend unbeleckt zeigt: Frauen gehören in die Küche und ins Bett und haben ansonsten den Mund zu halten. Noch ein bisschen mehr Humor und dafür weniger überflüssige Sexszenen wären schön gewesen, dafür erfreut der Film mit viel Musik auf Isländisch und manch skurriler Szene. Wie realistisch das Ganze die isländische Gesellschaft abbildet, ist vom westlichen Kontinentaleuropa aus natürlich schwer zu beurteilen. Aber dass das Outing eines schwulen Fußballers hier wie dort mit großen persönlichen und beruflichen Schwierigkeiten verbunden wäre, die „11 Men Out“ mal mehr, mal weniger überzeugend vorführt, steht allemal fest. Und auch wenn das glückliche Ende im Film vielleicht noch lange Wunschdenken bleibt, zeigt es doch, wie es gehen kann, nämlich nur mit der Solidarität der heterosexuellen Mehrheit.

Annäherungen von beiden Seiten

Plakat: Zum vergrößern bitte anklicken.

In der Fußballwelt ist in den vergangenen Monaten einiges in Bewegung geraten, wenn es um Homosexualität und Fußball geht. Das Fußballmagazin RUND hat im Dezember 2006 mit einer großen Artikelserie für Information und Diskussionsstoff gesorgt, schwullesbische Fanklubs machen auf sich aufmerksam, und beim ersten bundesweiten Fankongress des Deutschen Fußball-Bundes stand das Thema Homophobie auf der Tagesordnung. In der vergangenen Woche gab es dann sogar das erste UEFA-Urteil gegen Homophobie: Der ehemalige kroatische Nationaltrainer Otto Baric wurde von der Disziplinarkommission des europäischen Fußballverbandes wegen schwulenfeindlicher Äußerungen zu einer Buße von 3000 Franken verurteilt. Aber auch vonseiten der schwul-lesbischen Gemeinschaft gibt es Annäherungen, wie sich zum Beispiel an einer Diskussionsrunde im Rahmen des Hamburger Christopher-Street-Days erkennen lässt. Bei der Veranstaltung mit dem Titel „Zwei Welten prallen aufeinander – Schwule und Lesben im Fußball“ wurde allerdings unfreiwillig noch ein anderer Aspekt der Machowelt Fußball deutlich: Aufs Podium waren ausschließlich Männer geladen worden, die Situation von Frauen und Lesben im Fußball spielte praktisch keine Rolle.

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