Am Ball bleiben News 26.06.2007

[26.06.2007]
Bekenntnis gegen Diskriminierung: Fankongress in Leipzig

Auf dem ersten Fankongress des Deutschen Fußball-Bundes in Leipzig am vergangenen Wochenende sprachen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Fanszenen gegen Diskriminierung jedweder Art im Stadion aus. Auch der DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger machte deutlich, dass er sich gegen rassistische und diskriminierende Anfeindungen im Fußball einsetzt.

Rund 400 Fans und Offizielle von DFB, DFL, Polizei usw. trafen sich am 23. und 24. Juni in der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig, um in verschiedenen Foren und Arbeitsgruppen ein breites und mitunter kontroverses Themenspektrum zu diskutieren. Den größten Zuspruch erhielt der Bereich „Spannungsfelder“, in dem vor allem die Stadionverbote und mögliche Änderungen der derzeitigen Regelungen zur Debatte standen. Als ein zentrales Ergebnis des Kongresses konnte dann auch eine Reform der Stadionverbote in Übereinstimmung mit einigen zentralen Forderungen der Fans zur Winterpause verkündet werden.

Ausgrenzung dient dem Fußball nicht, sie schadet ihm

Auch dem Thema Antidiskriminierung war ein eigenes Forum gewidmet, das von Gerd Wagner, dem Verantwortlichen des Projekts „Am Ball bleiben“, geleitet wurde. In verschiedenen Diskussionsgruppen wurden beispielsweise Erfahrungen in der Kampagnen- und Basisarbeit ausgetauscht und eine künftige Vernetzung der teilnehmenden Gruppierungen vereinbart. Außerdem erarbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen umfangreichen Katalog mit Forderungen und Maßnahmenvorschlägen, die sich an DFB und Landesverbände, Vereine, Politik, aber auch an die Fanszenen selbst richteten. Hier einige Beispiele:

  • Bennennung eines Ansprechpartners für antidiskriminierende Arbeit/Monitoring bei den Landesverbänden
  • Selbstregulierung der Fanszene (Thematisierung und Problematisierung von diskriminierenden Vorfällen in Treffen, Fanzines, Websites etc.)
  • Aufnahme eines Antidiskriminierungs-Paragraphen in die Vereinssatzung und Stadionordnung
  • Einrichtung eines Verbandsfonds aus Strafgeldern zur Unterstützung antidiskriminierender Faninitiativen in den betroffenen Vereinen

In grundsätzlichen Punkten können sich die Fans dabei der Unterstützung durch die DFB-Spitze sicher sein. In seiner Eröffnungsrede am Samstagmittag erklärte DFB-Präsident Theo Zwanziger, dass er sich nicht damit abfinden werde, „wenn auf Fußballplätzen Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit herrschen“. Diejenigen, die den Sport nutzen, um andere Menschen auszugrenzen, so Zwanziger, würden dem Fußball nicht dienen, sondern ihm schaden. Während seiner Teilnahme an der Eingansveranstaltung des Forums Antidiskriminierung erläuterte der DFB-Präsident auf Nachfrage zudem, dass er die Möglichkeiten seines Amtes nutzen werde, um sich auch gegen andere Formen der Diskriminierung einzusetzen. Ein wichtiges Signal für die Runde, denn eines der zentralen Anliegen des Forums war eine größere Sensibilisierung für Sexismus und Homophobie im Fußball.

Projektemarkt: „Fußball ist alles – auch schwul“

Von den bereits bestehenden Initiativen konnten sich die Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmer auf dem Projektemarkt des Forums ein Bild machen. Neben Ausstellungstafeln der Gruppen „Flutlicht“ www.flutlicht.org oder „Dem Ball is egal, wer ihn tritt“ www.demballegal.de zum Thema Fußball und Migration oder Fußball und Rassismus waren hier auch schwullesbische Fanklubs wie die Hertha Junxx www.hertha-junxx.de mit ihrem Banner „Fußball ist alles – auch schwul“ oder das Netzwerk F_in Frauen im Fußball www.f-in.org vertreten. Auch die Fan-Projekte aus Jena, Dortmund oder Hannover www.kos-fanprojekte.de stellten ihre verschiedenen Antirassismusprojekte vor. Auf einem geführten Rundgang am Sonntagvormittag bestand die Möglichkeit, sich genauer über die einzelnen Aussteller und ihre Aktionen informieren zu lassen. Insgesamt fällt das Fazit der Faninitiativen und Organisationen, die sich mit dem Thema Antidiskriminierung beschäftigen, positiv aus: Der Kongress in Leipzig bot die Gelegenheit zu Diskussion und Austausch und die konkrete Aussicht auf eine bessere künftige Zusammenarbeit und eindeutige Stellungnahmen gegen Rassismus und Diskriminierung vonseiten der Fußballinstitutionen und in den Fankurven selbst.

Banner von den "hertha-junxx" aus dem Stadion

Folgende Institutionen haben sich auf dem Projektemarkt präsentiert:

  • Bündnis aktiver Fußballfans (BAFF) / Flutlicht e.V., Berlin
  • Dem Ball is´ egal, wer ihn tritt e.V., Gelsenkirchen
  • Deutscher Fußball-Bund (Julius-Hirsch-Preis), Frankfurt
  • F_in Netzwerk Frauen im Fußball, Hamburg
  • European Gay and Lesbian Sport Federation (EGLSF), Amsterdam/Berlin
  • Fan-Projekt Dortmund
  • Fan-Projekt Dresden
  • Fan-Projekt Hannover/Hannover 96
  • Fan-Projekt Jena
  • Fan-Projekte NRW (streetsoccer Tour kick racism out)
  • Wir-sind-Ade, Leipzig

Copyright © 2007 amballbleiben.orgImpressum