Am Ball bleiben News 19.06.2007

[19.06.2007]
Internationales Antirassismus-Turnier des FC St. Pauli

Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht jedoch keineswegs nur der Fußball, sondern auch und hauptsächlich die Vernetzung der antirassistischen Fußballfans in ganz Europa. Dass starke Regenfälle dieses Jahr zwischenzeitlich zu Spielabbrüchen und erheblichen Verzögerungen beim Turnierablauf geführt haben, war daher nur Nebensache: "Das hat der Atmosphäre überhaupt keinen Abbruch getan. Die Stimmung war trotz der vielen Seen auf dem Spielfeld super", erklärt Daniela Wurbs, die an der Turnierorganisation beteiligt war und Mitarbeiterin im Fanladen ist.

Eröffnet wurde das antirassistische Fußballturnier am Freitag mit einem gemeinsamen Besuch der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslager Neuengamme und einer Kennenlernparty. Eine Veranstaltung, die vor allem die Kontakte der 37 angereisten Teams untereinander beleben sollte. "Die Mannschaft von UC Sampdoria Rude Boys war zum ersten Mal dabei, hat gleich gewonnen und auch reges Interesse am Austausch mit anderen Teams gezeigt. So wünschen wir uns das natürlich", freut sich Daniela Wurbs über die gelungene Veranstaltung.

Auch am zweiten Tag des Turniers rollte nicht ausschließlich das runde Leder. Ein Vortrag über die Situation in Kopenhagen nach der Räumung des Ungdomhusets und ein Zeitzeugen-Gespräch mit Morris Beckman, Autor des Buches "Antifaschistischer Kampf in Großbritannien 1946 bis 1950", läuteten den Samstag ein. Als dritter Programmpunkt rundete der Vortrag von Fans des Vereins Babelsberg 03 zum Projekt "Fußballfans beobachten Polizei" den Tag ab.

Die am Samstag durch den Regen aufgeweichten Plätzen boten zwar auch am Sonntag kein attraktives Spielfeld, alle Partien wurden aber mit eisernem Willen gespielt: "Die Plätze waren eigentlich nicht bespielbar, aber das war nicht wichtig für die Besucher", sagt Wurbs und verweist auf mehrere hundert zahlende "externe" Gäste, die sich am letzten Turniertag umfassend über mehr Nachhaltigkeit in der Vernetzung von antirassistischen Fangruppen und mittels eines Vortrages über den Ablauf des G8-Gipfels in Heiligendamm informieren konnten. Mit Fritz Bringmann war auch am Sonntag ein Zeitzeuge des Zweiten Weltkrieges vor Ort, um aus seinem Leben und den politischen Widerstand gegen die Nationalsozialisten in Hamburg und Deutschland und seinen Aufenthalt im Konzentrationslager Neuengamme zu berichten.

"Kein Fußball den Faschisten" - einmal mehr hat der Fanladen St. Pauli, Fanprojekt des Aufsteigers in die Zweite Bundesliga, dem Motto der Veranstaltung Leben eingehaucht und die Völkerverständigung in Europa maßgeblich unterstützt.

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